Social Media: “Unsichtbare Macht”

30.01.2012, 9:53

Beim ersten Social-Media-Gipfel für Nonprofit-Kommunikation 2.0 der Nachrichtenagentur pressetext haben Experten in Berlin über die Herausforderungen diskutiert, die NGOs und NPOs im Web 2.0 bewältigen müssen. PR-Consulter Wilfried Seywald betonte in der Eröffnung, soziale Netzwerke seien per se “nicht-gewinnorientiert”. Sie tragen dazu bei, Engagement sichtbar zu machen. Soziale Netzwerke bieten Raum für Teilhabe und politische Einmischung, ja eine neue “Qualität in der öffentlichen Diskussion”, allerdings dürften die Ressourcen nicht unterschätzt werden, die dafür nötig sind.

(Quelle: social-up.com)

Seywald erinnerte daran, dass gute Beziehungen Sympathien bringen, aber gerade deshalb in einem hohen Ausmaß auch gepflegt werden müssen. Nur so kann das Vertrauen aufgebaut werden, das eine Community zusammen hält. Mit einem weiteren Missverständnis räumte Seywald in seiner Eröffnung auf: “Social Medias tragen wohl zur öffentlichen Meinungsbildung bei, aber echte politische Einflussnahme passiert anderswo.” Soziale Netzwerke seien so gewissenmaßen eine “unsichtbare Macht”.

Der Blogger Markus Beckedahl von netzpolitik.org erläuterte in seinem Beitrag anhand zahlreicher Beispiele, wie man mit geschickter Provokation im Internet enorme Reichweiten erzielen kann. NPOs müssten als Medien agieren, um sich Gehör zu verschaffen. Um die Vorteile der Netzwerke nutzen zu können, sollten sich NPOs zudem als Knotenpunkte begreifen und bestehende Top-Down-Strukturen abbauen. “Soziale Kanäle verlangen Transparenz. Dazu gehört generell eine offenere Kommunikationspolitik.”

Auch für den Netzwerker Alexander Wolf ist die Social-Media-Revolution für nichtgewinnorientierte Organisationen eine Riesenchance. Über die neuen Kanäle können auch ohne große Marketing-Budgets erfolgreiche Kampagnen gefahren werden. Allerdings besteht die Gefahr, dass die PR-Abteilungen, die oft nur aus einer Person bestehen, von der Kommunikationsflut überfordert werden. “So kann Erfolg auch Organisationen umbringen”, erläuterte Wolf.

Für Wolfgang Ruber von Kornberger und Partner gelten in der Social-Media-Kommunikation für NPOs grundsätzlich dieselben Bedingungen wie für profitorientierte Unternehmen. “Es müssen die gleichen Anforderungen erfüllt werden, allerdings mit weniger Geld, spärlicheren Ressourcen und einer kleineren Zahl an Kommunikationsprofis. Dazu müssen die Organisationsstrukturen flacher und offener sein. Die Verantwortlichen müssen auch bereit sein, die Kontrolle ein Stück weit aus der Hand zu geben”, sagt Ruber.

Die sozialen Medien dienen Non-Profit-Organisationen hauptsächlich, um den Kontakt zu den Menschen herzustellen, die ihre Anliegen unterstützen. “Als klassischer Spendenkanal eignen sich die Netzwerke nicht. Es geht eher um das Kontakteknüpfen zu neuen Zielgruppen. Im deutschsprachigen Raum haben Organisationen ja ein massives Problem mit der Überalterung ihrer Spender. Über soziale Medien lassen sich junge Menschen – das heißt in diesem Zusammenhang unter 50-Jährige – ansprechen”, erklärte Florian Nöll von Spendino.

Indirekt können sich aus neuen Kontakten sehr wohl neue Spender ergeben. Das ist laut den Experten aber ein langwieriger Prozess. Um die Kontakte zu pflegen, reicht es deshalb nicht aus, online Präsenz zu zeigen. “Echtes Vertrauen entsteht vor allem durch persönliche Kommunikation. Das ist zwar aufwendig, aber unverzichtbar. Nur mit einem Mix aus wohlportionierter Online-Kommunikation und persönlichen Kontakten außerhalb des Internets können Non-Profit-Organisationen daher Erfolg haben”, unterstreicht Wolf.

(Sonja Knappitsch/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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Virales Marketing gegen Konkurrenten

30.01.2012, 9:48

AMD, Chiphersteller aus den USA, hat derzeit die schnellste Grafikkarte mit einer GPU. Der Konkurrent Nvidia – lange Branchenführer – soll unbestätigten Meldungen zufolge Menschen bezahlt haben, die (unberechtigt) Kritik an den AMD-Produkten in mehreren Internetforen verbreitet haben sollen. Nun sei man erwischt worden.

Bildquelle: Pixelio
Fotograf: Sebastian Bernhard

In dem chinesischen Forum Chiphell wurden zahlreiche Nutzer ausgeschlossen und deren Beiträge gelöscht. Grund: Sie haben Schmähkritik an AMD und seinen Grafikkarten geübt. Zudem sollen die Benutzer für diese Kritik vom AMD-Konkurrenten Nvidia bezahlt worden sein. Wie die Betreiber dies allerdings erkannt haben, bleibt unklar. Möglicherweise war einer der Kritiker unvorsichtig und hat die Beiträge nicht vom heimischen PC aus gesendet, sondern von einem Computer mit einer IP aus dem Nvidia-Adressraum.

Aus einer Übersetzung eines Forenmitarbeiter-Beitrags geht hervor, dass eine “Internet Water Army” verantwortlich war, für die Beiträge. Damit beschreibt man in China Menschen, die für Firmen online Produkte bewerten und Kommentare schreiben. In Europa fließen selten Geldwerte sondern es werden Sachgegenstände verschenkt, falls die anonymen Beiträge erfolgreich sind.

(Daniel Schürmann | Quelle: golem.de)

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Video of the Week

30.01.2012, 9:36

Viel Spaß!

US-Online-Zeitungsmarkt ändert sich

27.01.2012, 15:08

Laut dem US-Marktforscher Comscore ist Langzeit-Branchen-Primus New York Times nicht mehr das meistbesuchte Zeitungsangebot im Netz. Die englische Boulevardzeitung Daily Mail hat dem Prestige-Blatt aus den USA im Dezember 2011 den Spitzenplatz streitig gemacht. Eine Sprecherin der Qualitätszeitung aus New York zeigte sich verschnupft und zweifelt die Messmethoden von Comscore, die als Branchenstandard gelten, an.

Papier: Laut Umfrage beliebter als gedacht
(Foto: pixelio.de, W. Wulff)

Im Dezember 2011 wurde die Online-Version der New York Times von 44,8 Mio. Lesern besucht. Im selben Monat konnte die Daily Mail 45,3 Mio. Besucher verzeichnen. Eine Sprecherin der US-Zeitung kommentierte das Ergebnis beleidigt und begründete die Wachablöse an der Spitze mit der Inkludierung eines Anlageberatungsportals der Daily Mail in die Gesamtbesucherzahl. Da Nebenplattformen der New York Times nicht berücksichtigt worden seien, sei diese immer noch das meistbesuchte Einzelangebot einer Zeitung im Netz. Gleichzeitig betonte die Sprecherin, dass die Daily Mail trotz Büros in Los Angeles und New York nicht als Konkurrenz betrachtet werde.

Die Leserzahlen der New York Times im Internet haben sich trotz Einführung einer Bezahlschranke positiv entwickelt. Die Daily Mail hat in den vergangenen Jahren aber deutlich höhere Zuwachsraten zu verzeichnen gehabt. “Boulevardblätter, zum Beispiel Bild und Krone im deutschsprachigen Raum, sind von Haus aus auf höhere Leserzahlen ausgelegt.

In London herrscht hingegen Freude über die neugewonnene Marktführerschaft. Der Chefredakteur der Daily-Mail-Online sieht die Zahlen als Bestätigung der guten Arbeit seiner Mannschaft. “Wir bringen Nachrichten, die die Menschen lesen wollen”, fasst er den Erfolg seiner Publikation zusammen. Die New York Times verfolgt eine andere Philosophie. Für die New York Times zählt die Qualität der Leserschaft.

(Daniel Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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Gerüchte um Samsungs Galaxy S III verdichten sich

27.01.2012, 14:59
Gerüchte um Samsungs Galaxy S III verdichten sich

Dieses Gerät war in einem Samsung-Video auf der CES zu sehen.

Nachdem bei Apple die Produktion des iPhone 5 schon angelaufen sein soll, verdichten sich die Gerüchte um das Samsung Galaxy S III. Die Koreaner könnten das neue Flagschiff noch auf dem Mobile World Congress 2012 in Barcelona präsentieren.

Einige Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass das neue Gerät bereits im April 2012 in den Verkauf kommen könnte. Vermutlich dann sogar zeitgleich in den wichtigen Märkten USA und Europa. Aus diesem Plan könnte jedoch auch ein Problem erwachsen. Manche Beobachter vermuten, dass die Produktionskapazitäten nicht ausreichen, um genügend Geräte zum Marktstart im April bereit zu haben. Ein anderer Grund für eine Präsentation nach dem Mobile World Congress könnte sein, dass Samsung erstmals ein eigenes Event plane, um den neuen iPhone-Herausforderer vorzustellen. Klarheit darüber wird es vermutlich erst nach dem Kongress in Barcelona geben, der vom 24.-26. Februar 2012 stattfindet.

Technisch soll das Galaxy S III ein neuer Meilenstein werden. Gerüchten zufolge soll das Gerät mit einer 12-Megapixel-Kamera aufwarten, die HD-Aufnahmen erlaubt. Das Display soll 4,65 Zoll groß sein und 1.280×1.024 Pixel auflösen. Als Prozessor sollen die Koreaner den Gerüchten zufolge ein 1,5- bis 1,6-Gigahertz-Vierkern-Prozessor verbauen. Beim iPhone 5 gilt dagegen ein Dualcore-Prozessor als wahrscheinlich. Möglicherweise wird aber im iPad 3 ein Quadcore-Prozesser zum Einsatz kommen.

Der interne Speicher des Galaxy S III soll in drei Konfigurationen (8, 16, 32 Gigabyte) angeboten werden. Allerdings ist er mit einer microSD-Speicherkarte erweiterbar. Als Betriebssystem kommt Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) zum Einsatz. Diesem wird die von Samsung gewohnte Nutzeroberfläche Touchwiz übergestülpt. Einen ersten Eindruck wie das Gerät aussehen könnte, gab Samsung selbst. In einem Produktvideo, das auf der CES gezeigt wurde, war ein Samsung-Smartphone zu sehen, das keinem der bisherigen Geräte ähnelte.

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Die Internetwirtschaft im Jahr 2016

27.01.2012, 14:51

Wirtschaftswachstum des Internets

(Foto: istockphoto.com/Olena_T)

Die Internetwirtschaft der G-20-Staaten wird in vier Jahren 4,2 Billionen US-Dollar Umsatz machen – im Jahr 2010 waren es 2,3 Billionen US-Dollar. Der größte Treiber des Internet-Wirtschaftswachstums ist das rasante Ansteigen der Nutzerzahlen weltweit.

Für 2016 sagen Experten in einem Report der Boston Consulting Group eine Gesamt-Userzahl von drei Billionen Nutzern voraus, etwa 45 Prozent der Weltbevölkerung sind dann online. Während das Internet anfangs noch Privilegierten vorbehalten war, ist es heutzutage allgegenwärtig. Vor allem die Partzipation von Nutzern aus den Schwellenländern schiebt das Wachstum an: Bis in vier Jahren, so die Studie, werden fast 70 Prozent der Internetnutzer aus Schwellenländern kommen. Allein China wird 800 Millionen Nutzer haben – so viele wie Deutschland, Frankreich, Indien, Japan, Großbritannien und die Vereinigten Staaten zusammen.

Über mobile Geräte werden im Jahr 2016 rund 80 Prozent der Breitbandverbindungen zum Internet laufen. Dies übrigens nicht zuletzt auch wegen der veränderten Kommunikationsstrukturen: Soziale Medien haben die Internetnutzung nachhaltig verändert.

“Kein Unternehmen kann es sich leisten, diese Entwicklung zu ignorieren”, so David Dean, Senior Partner der Boston Consulting Group und Autor der Studie. “Jedes Unternehmen muss digital werden.” Unternehmen empfiehlt die Studie, sich dem Trend zu öffnen und ihre Strategien für Expansion und Neuentwicklung anzupassen. Aber auch Regierungsinstitutionen seien gefragt. Statt den Fortschritt durch Einschränkungen aufzuhalten, sollten Wachstum, Innovation und Wahlmöglichkeiten für den Kunden durch entsprechende Richtlinien angeschoben werden.

Die den G-20-Staaten zählen USA, Japan, Deutschland, China, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada, Brasilien, Russland, Indien, Südkorea, Australien, Mexiko, Türkei, Indonesien, Saudi-Arabien, Südafrika, Argentinien und die Europäische Union.

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Google+ öffnet sich für Teenager

27.01.2012, 13:17
Google+ öffnet sich für Teens

Internetsicherheit ist vor allem ein Thema, wenn es um jugendliche Nutzer geht. Google+ öffnet das Netzwerk jetzt auch für Jugendliche ab 13 Jahren und führt spezielle Sicherheitsvorkehrungen ein.

Eltern dürfen etwas entspannen: Google+ erlaubt zwar Teenagern den Zugang zum Netzwerk, sichert aber die Teilnahme der Youngster durch spezielle Vorkehrungen ab. So erscheint beispielsweise vor dem Teilen eines Updates außerhalb der Teenager-Circles eine Warnmessage. Als Standardeinstellung können nur Mitglieder aus den Circles die jugendlichen Nutzer kontaktieren.

Auch die Hang-outs wurden für Teenager sicherer gemacht: Wenn Netzwerkmitglieder sich in einen Hang-out einklinken, die nicht zu den Circles der teilnehmenden Jugendlichen gehören, wird den Teenagern automatisch vorübergehend die Teilnahme an dem Hang-out versperrt. Das Wieder-Hinzustoßen ist allerdings möglich.

“Mit Google+ wollen wir Teenagern helfen, online sinnvolle Kontakte zu knüpfen. Wir wollen darüber hinaus auch Funktionen anbieten, die neben der Internetsicherheit auch den Selbstverwirklichungsdrang der Jugendlichen fördern”, so Bradley Horowitz auf Google+.

Mehr über die neuen Sicherheitsvorkehrungen gibt es im eigens eingerichteten Google+ Safety Center nachzulesen. Google feilt weiterhin an seinem Netzwerkprojekt. Erst vergangene Woche hatte der Konzern Spitznamen als Benutzernamen in dem Netzwerk erlaubt.

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Android-Tablets holen zu Apple iPad auf

27.01.2012, 12:47

Die weltweite Auslieferung von Tablets lag im vergangenen Jahr bei fast 67 Millionen Einheiten. Das ist ein Anstieg von 260 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010. Im letzten Quartal zählten Android Tablets für 39 Prozent der verkauften Geräte, iOS von Apple – also das iPad – kommt auf einen Anteil an 58 Prozent. Damit wird der Vorsprung von Apple-Tablets kleiner.

Im vierten Quartal 2011 wurden 27 Millionen Tablets verkauft. Android war in 39 Prozent der Fälle auf diesen Geräten vorinstalliert, Apples iOS auf 58 Prozent. Vor einem Jahr lagen Android-Tablets, von denen es zu dieser Zeit noch eher wenig gab, bei 29 Prozent. Derzeit werden rund 10,5 Millionen Android-Tablets im Quartal verkauft, während Apple bei über 15 Millionen iPad-Verkäufen lag.

Der große Vorteil von Android-Tablets ist die Auswahl: Es gibt preiswerte und teure Produkte, mit großen und kleinen Displays und mehr aber auch weniger Funktionen. Bei iOS gibt es nur das iPad und das iPad 2 mit verschiedenen Speichergrößen und mit oder ohne UMTS. Also eine eingeschränkte Auswahl. Zudem ist der Preis in der Regel höher, als bei Android Tablets.

Tablet-Markt (Quelle: strategy analytics)

Microsoft konnte nur einen Nischenmarkt bedienen und kam auf einen Marktanteil von einem Prozent im 4. Quartal 2011. Mit der Einführung von Windows 8 könnte sich das allerdings ändern.

(Daniel Schürmann | Quelle: engadget.com)

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Yahoo nimmt Gesprächen mit Investoren wieder auf

27.01.2012, 12:10
Yahoo in Gesprächen mit Investoren

Nach dem Chefwechsel ist Yahoo erneut in Kontakt mit den Investmentunternehmen, die sich im vergangenen Jahr für eine Teilübernahme des Internetunternehmens interessierten.

Ein Verkauf von Anteilen an Yahoo sei zwar vorerst vom Tisch, Yahoos neuer CEO soll sich nach Informationen von Insidern in Gesprächen mit den Interessenten vom vergangenen Jahr befinden. Scott Thompson wolle die Beteiligungsfirmen Silver Lake Partners und TPG Capital bei der Neuaufstellung von Yahoo mit im Boot haben, schreibt Boomtown. Außerdem sei Thompson interessiert, auch Privatinvestor Marc Andreessen einzubinden und mit allen drei früheren Kaufinteressenten auf Tuchfühlung zu bleiben, gegebenenfalls Ideen zu bekommen oder die Möglichkeit zukünftiger Beteiligungen abzuschätzen.

Risikofinanzier Andreessen war im November 2011 als Vorstandsmitglied für Yahoo im Gespräch. Die Beteiligungsunternehmen Silver Lake und TPG hatten Anfang Dezember 2011 Offerten für die Übernahme von Minderheitsanteilen an Yahoo eingereicht. Am 4. Januar 2012 war der damalige Paypal-Präsident Scott Thompson an die Spitze von Yahoo gewechselt. Gründer und Vorstand Jerry Yang stieg am 18. Januar 2012 aus dem Verwaltungsrat von Yahoo aus.

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Richtige Körperhaltung für Tablet-Nutzer

27.01.2012, 11:30

Nutzer von iPads und anderen Tablets sollten ihr Gerät bei der Verwendung möglichst hoch positionieren. Das raten Forscher der Harvard Medical School und Microsoft in der Zeitschrift “Work: A Journal of Prevention, Assessment, and Rehabilitation”. “Bei schlechter Körperhaltung steigt die Wahrscheinlichkeit für Rückenschmerzen, wie auch eine stets gleichbleibende Distanz und Stellung den Augen nicht gut tut. Das Tablet bringt hier teils Probleme, teils jedoch auch Vorteile”, erklärt Ahmet Cakir, Leiter des Ergonomic Instituts für Arbeits- und Sozialforschung.

Vater und Sohn mit iPad:
Meist zu viel Kopfneigung
(Foto: FLickr/Incase)

Die Harvard-Forscher stellten 15 Versuchspersonen Aufgaben am Tablet wie Internetsurfen Lesen, Spielen, Lesen und Schreiben von E-Mails sowie Filmsehen. Auf zwei verschiedenen Geräten – dem iPad2 von Apple sowie dem Motorola Xoom – wurden vier Körperhaltungen getestet: Die Nutzung auf dem Schoß – jeweils in der Hand oder auf einem Ständer, sowie auf dem Tisch mit Ständer entweder in flachwinkligen Bedien- oder im steilwinkligen Filmmodus. Die getesteten Ständer waren Apples SmartCover und Motorolas Portfolio Case, die jeweils zwei Neigungswinkel von 15 und 73 Grad bzw. 45 und 63 Grad erlauben.

Mit Ausnahme des Filmmodus waren Kopf und Hals stets stärker geneigt als bei PC- oder Laptopnutzung, zeigte eine Infrarotmessung zur 3D-Bewegungsanalyse. Wie günstig oder ungünstig dabei die Körperhaltung war, hing jedoch stark von der Position des Tablets ab. Als am günstigsten bezeichnen es die Forscher, wenn Tablet-Nutzer ihr Gerät zur Vermeidung flacher Blickwinkel möglichst hoch platzieren – besser am Tisch als am Schoß – und ein Gehäuse verwenden, das steile Blickwinkel erlaubt. Die Handbedienung wird dadurch freilich unmöglich.

Tablets werden in ähnlicher Stellung benutzt wie Bücher. Doch auch bei Büchern ist die Körperhaltung meist schlecht, betont der Berliner Ergonom Cakir. “Frühe Darstellungen von Mönchen zeigen, dass Bücher früher stets auf einem Pult gelesen wurden, und auch Schultische waren stets geneigt. Durch Ständer und ähnliche Hilfsmittel kommt man auch beim Tablet dem optimalen Lesewinkel von 35 Grad nahe: Der Kopf ist dabei um 20 Grad nach vorne geneigt, die Augen um weitere 15 Grad.” Der Schirm sollte dabei zwischen 40 und 60 Zentimeter vom Auge entfernt sein.

Crux der Tablets ist jedoch, dass der Nutzer sie nicht nur liest oder darauf Videos sieht, sondern sie auch mit Hand und Finger bedient. Diese Interaktion erfordert eine völlig andere Haltung, wobei Cakir zum Auflegen auf eine horizontale Fläche rät. “Eine optimale Haltung für beide Anwendungen zugleich gibt es nicht. Wer am Tablet viel tippt, sollte sich deshalb lieber eine Bluetooth-Tastatur zulegen, zumal das Touchscreen-Tippen auch messbar langsamer und fehlerhafter ist.”

Das Tablet bietet jedoch auch einen ergonomischen Vorteil gegenüber Desktop-PCs oder Laptops: Seine Kompaktheit erlaubt dem Benutzer, die haltende Hand oder die Entfernung zwischen Auge und Bildschirm regelmäßig zu wechseln, was ohnehin meist unbewusst geschehen dürfte. “Die Veränderung der Körperhaltung ist haltungstechnisch günstig. Am Laptop ist diese kaum möglich, da man – abgesehen von der Möglichkeit des Hin- und Herklappens des Monitors – immer zur selben Haltung gezwungen ist.”

(Johannes Pernsteiner/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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