Mainstream: Personalisierte Nachrichten

27.02.12, 12:26

Washington Post testet Ansatz – Woanders bereits Standard

Personalisierte Nachrichten sind keine neue Idee. In Deutschland und der Schweiz gab und gibt es den persönlichen Nachrichten-Mix sogar in gedruckter Form. Die renommierte Washington Post experimentiert online jetzt mit einem lernfähigen Modell, das Wall Street Journal will seine Internet-Titelseite ebenfalls personalisieren, wie techcrunch.com berichtet. Bei kleineren Onlinemedien kommt das Modell teilweise schon zum Einsatz. Experten sehen das Konzept kritisch.

Nachrichten: individuell produziert
(Foto: pixelio.de, Thorben Wengert)

“Seit den frühen 2000er-Jahren gibt es Versuche, personalisierte Nachrichten anzubieten. Die meisten sind in Vergessenheit geraten. Für die Leser ist es Geschmackssache. Es besteht die Gefahr, dass durch das selektive Lesen von Artikeln, die durch immergleiche Filter ausgewählt werden, der Horizont beschränkt wird”, sagt Jan Krone von der FH St. Pölten. Dieselbe Gefahr bestehe allerdings auch beim normalen Nachrichtenkonsum im Internet. “Hier sind gedruckte Zeitungen im Vorteil. Dort konsumieren Leser immer wieder Artikel, nach denen sie nie gesucht hätten”, so der Experte.

Freiwillige können der Online-Washington-Post als Versuchskaninchen dienen. Bestandskunden werden auf Basis ihres bisherigen Leseverhaltens gleich mit einem individualisierten Angebot empfangen. Neukunden müssen sich anfangs für standardisierte Kanäle entscheiden. In beiden Fällen lernt das System durch das Leseverhalten und willkürliche Veränderungen durch den User dazu, um das Angebot besser an den jeweiligen Geschmack anzupassen. “Technisch ähnelt das Konzept den Amazon-Empfehlungen, die es schon seit den 90er-Jahren gibt. Die Medien erhoffen sich erweiterte User-Targeting-Möglichkeiten, um attraktivere Ziele für die Werbeindustrie bieten zu können”, sagt Krone.

Für die Industrie ist es tatsächlich interessant, genauer über das Leseverhalten von Kunden Bescheid zu wissen. “Extrembeispiel ist ein Leser, der nur Apple-Nachrichten konsumiert, von Technologie über Wirtschaft bis Lifestyle. So einer ist natürlich ein ideales Ziel für Werbung”, meint Krone. Längerfristig bietet eine individualisierte Startseite zusätzliche Einkommensquellen. “Das Anbieten eines personalisierten Archivs, natürlich gegen Bezahlung, wäre eine Möglichkeit”, glaubt der Experte. Kleinere Nachrichtenmedien haben personalisierte Empfehlungen in Form von Infokästen, die nicht die ganze Seite einnehmen, vielfach schon lange in Gebrauch.

(Markus Keßler/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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