RTL und ProSieben: Klage gegen Eyeo abgewiesen

28.05.2015, 10:01

Landgericht München

Das Landgericht München hat die Klage von RTL und ProSiebenSat.1 Digital gegen Eyeo, Betreiber des Werbeblockers Adblock Plus, abgewiesen.

RTL und ProSieben: Klage gegen Eyeo abgewiesen

(Quelle: Fotolia.de/Sebastian Kaulitzki)

Das Landgericht München hat die Klage von RTL und ProSiebenSat.1 Digital gegen Eyeo, Anbieter des Werbeblockers Adblock Plus, abgewiesen. Die Medienunternehmen kritisieren unter anderem das Geschäftsmodell des Anbieters in Bezug auf das Whitelisting. Anzeigen von Firmen, die auf dieser Liste stehen, werden vom Werbeblocker verschont und trotz Installation der Software weiter auf den Webseiten der User ausgeliefert. Für kleinere Webseiten und Blogs ist das kostenfrei, größere Unternehmen wie Google etwa müssen dafür zahlen. Eyeo will 30 Prozent der Werbeeinnahmen.

Als Grund nennt der Anbieter den “erheblichen Aufwand” für die Betreuung der genehmigten Ausnahmen. Das ist für die Kläger ein kartellrechtliches Problem: Adblocker gibt es inzwischen zwar einige, allerdings niemanden der ein solches “marktbeherrschendes” Whitelist-Prinzip anbietet.

Das Gericht widersprach nun den Vorwürfen. Zwischen Kläger und Angeklagten gebe es kein Wettbewerbsverhältnis und keine gezielte Behinderung, denn die Entscheidung des Users zur Installation des Werbeblockers sei autonom. Zudem hätten die Kläger auch noch gewisse “alternative Handlungsspielräume” und seien nicht ausschließlich von den Werbeeinnahmen abhängig. Eine urheberrechtliche sowie kartellrechtliche Verletzung liegt dem Gericht nach ebenso nicht vor, Eyeo habe keine marktbeherrschende Stellung, denn der Anteil der User, die RTL und ProSieben aufgrund des Adblockers nicht erreichen würden, sei zu gering.

“Ein trauriger Tag für die Internetnutzer”

Thomas Port, Geschäftsführer des ProSiebenSat.1-Vermarkters SevenOne Media, zeigt sich entsprechend enttäuscht: “Heute ist auch ein trauriger Tag für die Internetnutzer, denn Adblock Plus bedroht die Finanzierungsgrundlage aller kostenlosen Internetangebote.” ProSieben wertet das Angebot nach wie vor als einen urheber- und kartellrechtlich unzulässigen und wettbewerbswidrigen Angriff auf die Medienvielfalt und Pressefreiheit und will daher die Berufungsaussichten und weitere rechtliche Schritte gegen Eyeo prüfen.

Eyeo gibt sich kompromissbereit: “Wir sind nach wie vor bestrebt – und die heute Entscheidung des Landgerichts München I legitimiert uns geradezu dafür- den Dialog mit allen Content-Providern fortzuführen”, so das Unternehmen. “Unsere Vision ist ein Internet, das einerseits die berechtigten und schutzwürdigen Interessen aller Internet-Nutzer berücksichtigt und andererseits den Verlagen und Content-Providern ein nachhaltiges Refinanzierungsmodell ihrer Internet-Aktivitäten ermöglicht.”
ProSiebenSat.1 und RTL reichten im Juli 2014 Klage gegen Eyeo und den Einsatz der Software ein. Am 17. Dezember 2014 fand die erste mündliche und öffentliche Anhörung vor dem Münchner Landgericht statt.

Erst vor wenigen Wochen hatte das Landgericht Hamburg die Klage von Zeit Online und dem Handelsblatt gegen den Betreiber des Werbeblockers Adblock Plus abgewiesen. Der Vorsitzende verwies im Prozess darauf, dass viele Medien wie etwa die New York Times inzwischen werbefreie Angebote hinter Paywalls ermöglichten. Zudem sei nicht bewiesen, dass Eyeo gezielt gegen die Webseiten der Kläger vorgehe. Das wiederum sei Voraussetzung für einen Unterlassungsanspruch nach dem Wettbewerbsrecht.

© www.internetworld.de

Marktplatz eBay: Zahlen und Fakten

28.05.2015, 9:37

Online-Handel

Wie können gewerbliche Händler mit einem Umsatz von mehr als 10.000 US-Dollar von Marktplätzen wie eBay profitieren? Antworten darauf sowie Zahlen und Fakten zum Online-Händler gibt eine Studie.

Marktplatz eBay: Zahlen und Fakten

(Quelle: Shutterstock/Denis Radovanovic)

Marktplätze wie eBay wollen kleinen Online-Unternehmen bessere Chancen im Wettbewerb mit etablierten Konzernen einräumen. Mehr als 130.000 Online-Händler mit einem Umsatz von mehr als 10.000 US-Dollar haben sich seit der Finanzkrise im Jahr 2011 auf dem Online-Marktplatz eBay registriert. Sie generierten dabei einen Umsatz von fast 18,5 Milliarden Euro, ermittelte die Studie Small Online Business Trade Summary 2015.


Exporteure bei eBay

(Quelle: eBay)

Von den in Deutschland aktiven gewerblichen Händlern exportieren 94 Prozent ins Ausland. Im Vergleich hierzu exportieren im stationären Handel lediglich 16 Prozent. 41 Prozent der deutschen Online-Händler versenden ihre Waren vorwiegend in Nachbarländer innerhalb Europas. 23,7 Prozent beliefern Kunden auf zwei Kontinenten, 15,7 Prozent verkaufen an Kunden auf drei Kontinenten und 19,6 Prozent handeln mit Käufern auf vier oder mehr Kontinenten. Deutschland befindet sich der Studie nach dabei an der Spitze beim inner-europäischen Handel, denn es liegt 15 Prozent über dem Durchschnitt bei den Exporten – kein anderes Land exportiert anteilig so viel in andere Länder der EU.

Die gewerblichen deutschen Händler haben 2014 an Käufer in 208 Märkten Waren verschickt. Im Durchschnitt belieferten sie 14 Länder. Gewerbliche Händler in der EU, die erst seit 2011 am Markt sind, erzielten mit ihren Auslandslieferungen innerhalb eines Jahres einen Anteil von 14 Prozent am gesamten Exportmarkt.
Daten, die die Weltbank ermittelt hat, belegen, dass nur 15 Prozent der offline-tätigen Firmen auch drei Jahre nach Gründung noch in andere Länder exportieren. Wohingegen es bei den Online-Händlern 71 Prozent sind, die im gesamten Zeitraum von 2011 bis 2014 ins Ausland Waren exportiert haben.

Die Studie untersuchte Transkationen auf dem eBay-Marktplatz im Zeitraum von 2010 bis 2014. Als gewerbliche Online-Händler wurden hierfür Händler mit einem Umsatz von mehr als 10.000 US-Dollar bei eBay in mindestens einem der Jahre 2010 bis 2014 betrachtet.

© www.internetworld.de

Click and Collect: Stationär trifft Online

27.05.2015, 8:18

Ladenfläche wird zum Lager

Wie ändern sich Prozesse durch die Verzahnung von stationärem Geschäft und Online-Handel? Drei Beispiele für die Umsetzung von Click and Collect.

Click and Collect: Stationär trifft Online

(Quelle: shutterstock.com/fiphoto)

Im Web bestellen und im Ladengeschäft abholen: Die nahtlose Verzahnung der Einkaufswege ist aus Kundensicht einleuchtend und erscheint logisch, muss aber im Hintergrund gut organisiert sein. Hier sind drei Beispiele, wie Einzelhändler Click and Collect organisieren.

Der Online-Shop des Sporthauses Schuster ist seit 2008 im Netz. Zurzeit arbeitet das Sporthaus daran, dass Kunden Waren online bestellen und in der Münchner ­Innenstadt abholen können. “Die größte Herausforderung ist, den internen Workflow und die technischen Prozesse so zu gestalten, dass die Ware möglichst schnell am Click and Collect-Point im Geschäft zur Abholung bereitsteht“, erklärt Peter Schön, Leiter E-Commerce/Distanzhandel im Sporthaus Schuster: “Neben einer schnellen Benachrichtigung muss der Kunde ­darüber hinaus im Laden empfangen werden. Das Verkaufspersonal muss so geschult sein, dass über die reine Abholung des Wunschprodukts auch die passende Beratung und Zusatzempfehlungen direkt bei Abholung zur Verfügung stehen.“

Das Sporthaus betreibt in Martinsried bei München ein Nachschublager und hat auch im Geschäft mehrere Lagerflächen, auf die das Sortiment verteilt ist. Schön ist es wichtig, die Stornoquote so gering wie möglich zu halten. Wenn ein Kunde online ein Produkt zur Abholung im Laden bestellt, muss sichergestellt sein, dass dieses Produkt auch tatsächlich verfügbar ist.

“Wir können und wollen es uns nicht erlauben, einem Click and Collect-Kunden eine Absage zu erteilen. Bei mehreren Lagerflächen, möglichen Scanfehlern und eventuellen Zwischenverkäufen im Ladengeschäft ist das nicht so einfach“, sagt Schön. Das erfordere von den Verkaufsmitarbeitern, noch ­genauer zu arbeiten, sodass das Warenwirtschaftssystem jederzeit erkennt, wo die Produkte gerade liegen und ob sie verfügbar sind. Es sei ein stetiger Prozess, bei der Bestandserfassung noch präziser zu werden, betont Schön. Bis Ende des Jahres soll der Click and Collect-Prozess bei Sport Schuster eingeführt werden.

Im Geschäft wird es einen eigenen “Click and Collect-Point“ geben. “Wir werden Click and Collect als Reservierung, also als Click and Reserve, anbieten. Heißt, der Kunde könnte im Ladengeschäft anprobieren, umtauschen und seinen Warenkorb beliebig ergänzen“, berichtet Schön. Trifft die Reservierung ein, holt ein Mitarbeiter das bestellte Produkt gleich aus dem Regal. So stellt er sicher, dass es in der Zwischenzeit nicht an jemand anderen verkauft wird. Im ersten Schritt wird die ­Online-Reservierung nicht für das Gesamtsortiment eingeführt. “Wir fangen mit einem kleinen Click and Collect-Angebot an. Erst wenn alles perfekt läuft und wir den Prozess beherrschen, weiten wir es auf das gesamte Sortiment aus“, plant Schön.

Abholung am Kundendienstschalter

Die niederländische Kaufhauskette de Bijenkorf ermöglicht bereits die Abholung von Online-Bestellungen in allen ­Filialen. Wie stark der Click and Collect Service nachgefragt wird, verrät das Kaufhaus nicht. Es seien jedoch viele Bestellungen pro Geschäft, und die Zahl nehme laufend zu, sagt Marlous Vennegoor op Nijhuis, Business Consultant bei de Bijenkorf. Sobald das Paket im Laden eintrifft, erhält der Kunde eine Benachrichtigungs-Mail mit QR-Code.

Abgeholt werden die Bestellungen am Kundendienstschalter. “Die Veränderung in unseren Logistikprozessen durch Click and Collect war nur ­minimal, weil wir bereits ein System in den Läden für Online-Bestellungen einsetzen“, berichtet Vennegoor op Nijhuis. Für die Abwicklung arbeitet de Bijenkorf mit dem Fulfillment-Dienstleister Docdata zusammen. Mit dessen Lösung “Click and Collect“ scannen die Angestellten im Geschäft eintreffende Pakete und weisen ihnen einen Lagerort zu. “Die Information auf den Paketen ist sehr präzise. Wir sehen, ob eine Bestellung fehlt oder ob in einem Paket ein Artikel fehlt“, erklärt die E-Commerce-Spezialistin.
Kommt der Kunde zum Abholen, scannt der Verkäufer den QR-Code auf dem Abholschein. Daraufhin erscheint der Lagerort des Pakets auf dem Display. Docdata Click and Collect ist mit dem Order Management System des Online-Shops, dem Warehouse Management System von Docdata und den Paketdiensten verbunden.

Das Münchner Traditionskaufhaus Konen hat mit dem Start des Web-Shops im ­Februar 2015 den Click and Collect-Service eingeführt. Die Bestellungen haben sich gut entwickelt, sagt Claudia Haas, Leitung Marketing bei Konen. Rund 30 Prozent der Kunden, die online bestellen, holen die Ware im Geschäft in der Münchner Innenstadt ab. Am Servicepoint im Kaufhaus wurde eine Click and Collect-Lounge mit Verpackungsservice eingerichtet.

Für die Abholung im Laden waren keine logistischen Änderungen, zum Beispiel mehr ­Lagerfläche im Geschäft, nötig. “Die Ware wird direkt im Haus gepickt. Neu ist die Position des ‘internen‘ Pickers, der die bestellte Ware sowohl für Click and Collect als auch für Wunschlieferung und Paketversand im Haus zusammenführt“, berichtet Haas.

© www.internetworld.de

Twenga wirbt zehn Millionen Euro ein

26.05.2015, 14:38

Finanzierungsrunde

Vor allem für die internationale Expansion seines Angebots will der Preisvergleichsdienst das frische Kapital verwenden: Twenga sammelt zehn Millionen Euro ein, unter anderem von Idinvest Partners.

Twenga wirbt zehn Millionen Euro ein

(Quelle: Twenga )

Über eine runde Summe freut sich die französische E-Commerce-Plattform Twenga, die mit dem frischen Kapital vor allem ihre internationale Expansion vorantreiben will. Außerdem stehen der Ausbau der Services und die Entwicklung neuer Produkte auf der Agenda. Dafür kann der Preisvergleichsdienst mit Sitz in Paris, der neben Frankreich auch in Deutschland und England Niederlassungen betreibt, auf zehn Millionen Euro zurückgreifen, die unter anderem von Idinvest Partners kommen.

“Diese Investition wird es Twenga ermöglichen, seine Entwicklung erheblich zu beschleunigen”, erklärt Benoist Grossmann, Managing Director von Idinvest. “Dank seiner Technologien und Algorithmen sind wir überzeugt, dass Twenga über ein erhebliches Wachstumspotential verfügt – insbesondere für seine Lösungen zur Optimierung von SEM-Kampagnen.”

Neue Tools für SEM-Aktivitäten

Mit zwei ersten Neuentwicklungen fürs Suchmaschinenmarketing will Twenga Händlern dabei helfen, die Automatisierung und Performance ihrer Werbeausgaben auf allen Online-Vertriebskanälen zu verbessern. Dazu verwendet die E-Commerce-Plattform, die mit Shopping-Suchseiten in 15 Ländern mit mehr als 400 Millionen gelisteten Produkten kompatibel ist, mehr als 40 Faktoren, um den Return on Investment von Kampagnen zu maximieren.

Nach eigenen Angaben hat Twenga bereits rund 200 Kunden von den neuen Lösungen überzeugt – und jedem dieser Kunden zu mehr als 150 Prozent Umsatzwachstum innerhalb von sechs Monaten verholfen.

Wachstumsmarkt Südeuropa

Mit neuen Büros in mehreren europäischen Ländern, darunter in Italien und Spanien, will Twenga künftig noch näher an die Kunden heranrücken. Zu diesem Zweck sollen neben den aktuell 150 Mitarbeitern im Lauf dieses Jahres weitere 50 neue hinzukommen, die vor allem die Bereiche Engineering, Data Science, Marketing und Sales verstärken sollen. Wachstumspotential sieht der Anbieter nicht zuletzt in Südeuropa, wo die Nachfrage nach Lösungen für Search Marketing Automation ansteigt.
Twenga, das im afrikanischen Dialekt Swahili “Direkt ans Ziel bedeutet”, wurde 2006 in Paris gegründet und ist seit Sommer 2008 auch auf dem deutschen Markt aktiv.

Bereits ein Jahr zuvor hatte das Start-up in mehreren Finanzierungsrunden rund sieben Millionen Euro von Investoren erhalten, darunter 3i und Sofinnova. Im Jahr 2011 launchte Twenga ein Social-Shopping-Tool, mit dessen Hilfe Webshopper bei Freunden in sozialen Netzwerken Rat suchen können in Sachen Produktauswahl.

© www.internetworld.de

Content-Nutzer zu Käufern machen

26.05.2015, 7:12

Praxistipp

Viele Shops locken potenzielle Kunden mit hochwertigem Content an, den diese auch rege nutzen – gekauft wird aber dennoch nichts. Wie macht man aber aus Inhalte-Nutzern im Shop Käufer?

Content-Nutzer zu Käufern machen

(Quelle: Shutterstock.com/Twin Design)

Professionelle Online Shops bieten ihren Kunden immer häufiger zusätzliche Informationen zu den Produkten, die sie verkaufen. Oft geschieht dies über Themenwelten, Kategorieseiten oder Blogs. Viele Nutzer verlassen diese Seiten jedoch nach einem kurzen Überfliegen des Inhalts wieder, ohne etwas zu kaufen – ein fataler und teurer Besucherverlust. Wie sich der Traffic auf Content-Seiten verkaufssteigernd nutzen lässt, erklärt Matthias Heimbeck von Findologic.

Die Ausgangssituation: Die digitale Version der Einkaufsberatung ist das so genannte Guided Shopping. Es ist vergleichbar mit guten Fachverkäufern im stationären Laden, die durch gezielte Fragen die Kundenwünsche erfassen und dann passende Produkte empfehlen.

Ein Lösungsansatz: Auf den Online-Shop übertragen heißt das: Auf einer Content-Seite im Shop, zum Beispiel im Blog, wird ein Call-To-Action, also eine klare Handlungsaufforderung in Form eines Bildes oder Buttons platziert. Bei einem Text über Outdoor-Jacken könnten diese beispielsweise lauten: “Ihr Outdoor-Jacken-Berater” oder “Ihre Outdoor-Jacke finden” – je konkreter, desto besser.

Üblicherweise würde der Shop diesen Button direkt mit seinen Suchergebnissen für “Outdoor Jacken” verlinken. Erfolgversprechender ist es jedoch, wie ein Einkaufsberater zu agieren und zuvor über ein Pop-Up-Fenster noch einige kurze Fragen zu stellen: Welcher Trage-Anlass? Welches Material? Welche Farbe? Die Ergebnisse passen dann perfekt zu den Interessen des Nutzers und können nach verschiedenen Attributen weiter verfeinert werden. So kann der Shop-Betreiber den Kunden exakt zu den Artikeln führen, über die er sich zuvor auf den Content-Seiten informiert hat.

Die Conversion Rate dieser Nutzer liegt deutlich über dem Schnitt, und das bei einem Traffic, den man sonst gänzlich verloren hätte. Die Content-Surfer werden im besten Fall auch zu Käufern.

© www.internetworld.de

Otto Group gründet eigenen Vermarkter

22.05.2015, 7:23

Otto Group Media

Die Otto Group beginnt ab September 2015 mit der Vermarktung ihrer Online-Shops, darunter Otto.de. Dazu hat der Versandhändler gerade die Otto Group Media gegründet.

Torsten Ahlers, CEO der neu gegründeten Otto Group Media

(Quelle: Otto Group)

Ab September 2015 wird die Otto Group Werbeflächen in ihren Online-Shops vermarkten. Für den Verkauf der Werbeflächen hat der Hamburger Versandhändler gerade die 100-prozentige Konzerngesellschaft Otto Group Media gegründet. Geschäftsführer des neuen Vermarkters ist Torsten Ahlers. Unterstützt wird er von Boris Prondzinski als Chief Operating Officer (COO). Sitz des Unternehmens ist in Hamburg, gestartet wird mit zwölf bis 15 Mitarbeitern.

Noch ist vieles in der Findungsphase: Der Start des Vermarktungsgeschäfts wird wohl mit vier oder fünf reichweitenstarken Online-Shops, darunter Otto.de, erfolgen. Mit Mytoys.de werden ebenfalls gerade Gespräche geführt. Sukzessive sollen alle Shops der rund 100 Otto-Shop-Domains hinzukommen. Zur Otto Gruppe gehören unter anderem Bonprix, Sport Scheck, Witt und Crate and Barrel.

Auch an den Werbeformaten wird aktuell noch gefeilt. Wahrscheinlich werden es die Standard-Displayformate sowie exklusive Vermarktungsformen wie Sponsored Content sein. Der Technologie-Anbieter fürs Adserving wird gerade ausgewählt.

Otto wird für die Vermarktung auch die eigenen Kundendaten für die Aussteuerung der Werbung heranziehen. “Wir sind überzeugt, dass die Otto Group als reichweitenstarker Data- und Website-Owner die besten Voraussetzungen hat, um eine maßgebliche Rolle im Data Driven Advertising zu spielen”, sagt Geschäftsführer Torsten Ahlers.
Ahlers ist ein Vermarktungsexperte. Er war unter anderem Geschäftsführer von AOL Deutschland und auch für den Targeting-Anbieter Audience Science tätig. Ab 2011 war Ahlers Geschäftsführer der Next Audience, einem Adserver-Anbieter und Data-Management-Plattform der Sinner Schrader Gruppe, bevor er 2014 – zunächst interimistisch – bei der Otto Group einstieg.

Konkretere Details zur Vermarktung der Online-Shops wird die Otto Group Media auf der Online-Marketing-Messe Dmexco im September in Köln präsentieren.
Im März hatte Otto hat das Online-Wachstum des Mutterkonzerns Otto Group bestätigt: Auch die Einzelgesellschaft legte 2014 in Sachen Umsatz um drei Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zu.

© www.internetworld.de

Jeder elfte Deutsche ist ein Influencer

19.05.2015, 8:01

Konsumenten-Studie

Angesehene Web-Nutzer spielen eine wachsende Bedeutung für das Marketing. Wie viele Influencer gibt es in Deutschland? Welche Typen lassen sich dabei klassifizieren und wie hoch ist ihr Einfluss?

Jeder elfte Deutsche ist ein Influencer

(Quelle: Shutterstock.com/racorn)

Insgesamt 15,9 Millionen Online-Nutzer in Deutschland bewerten in sozialen Netzwerken regelmäßig Produkte, davon zählen etwa 30 Prozent als Influencer, also Menschen, die wegen ihrer Präsenz im Social Web einen signifikanten Einfluss auf andere Nutzer ausüben. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie “Markenempfehlungen in sozialen Medien”, welche die Werbeagentur webguerillas gemeinsam mit der Hochschule Macromedia durchgeführt hat.

Demnach zählt jeder elfte Deutsche zu der besonders stark vernetzten Gruppe der Influencer. Diese sind der Analyse zufolge überdurchschnittlich jung, männlich und berufstätig und verfügen tendenziell über einen höheren formalen Bildungsabschluss. Außerdem sind sie täglich in sozialen Netzwerken unterwegs.

“Lovers”, “Critics” und “Mavens”
Dabei unterscheidet die Studie zwischen drei verschiedenen Typen: Die größte Gruppe stellen mit 27 Prozent die “Brand Lovers”, die sehr stark an einem Produkt interessiert sind und eine starke persönliche Bindung zur Marke haben. Sie helfen gerne anderen Nutzern und wollen ihr bevorzugtes Unternehmen unterstützen. Den “Brand Critics” (24 Prozent) geht es hingegen darum, mit ihrer Kritik an einer Marke bestimmte Reaktionen zu erzeugen. Ein dritter Typ sind die “Brand Mavens” (23 Prozent). Diese verknüpfen eine grundsätzlich positive Einstellung zu einer Marke mit eine kritischen Grundhaltung und über damit laut Studie einen besonders großen Einfluss auf andere Konsumenten aus.

Der Großteil der befragten Influencer, nämlich 78 Prozent, gab an, sowohl positiv als auch negativ über andere Marken zu berichten. Lediglich zwei Prozent gaben an, ausschließlich negative Äußerungen zu tätigen. Über die Hälfte der Experten veröffentlichen jede Woche Beiträge auf Blogs und in Foren, fast alle Influencer (99 Prozent) folgen ihren Marken auf Facebook. 89 Prozent halten ihrer Marke auf Twitter die Treue und 75 Prozent auf Youtube.

“Viele Konsumenten suchen heute bewusst den Kontakt zu bewährten Experten im Social Web, bevor sie sich für den Kauf eines bestimmten Produktes entscheiden. Beim Influencer-Marketing geht es darum, mit denjenigen in Verbindung zu stehen, die als Experten gefragt sind”, so webguerillas-Geschäftsführer David Eicher.
Für die Studie wurden im Rahmen einer repräsentativen Online-Umfrage insgesamt 2.000 Personen zwischen 18 und 65 Jahren in Deutschland und den USA befragt.

Worauf kommt es beim Influencer Marketing an? Sechs Tipps für Werbungtreibende, wie sich einflussreiche Zeitgenossen in die Mediastrategie einbinden lassen.

© www.internetworld.de

Google bringt Kauf-Button in Suchergebnisse

18.05.2015, 13:01

Shopping in der Suche

Google will sich zum Marktplatz machen – und damit in Konkurrenz zu eBay und Amazon treten. Das Internetunternehmen plant in Kürze Kauf-Buttons in seine Suchergebnisse einzufügen.

Google bringt Kauf-Button in Suchergebnisse

(Quelle: Shutterstock.com/Kuklos)

Von der Suchmaschine zum Internet-Shop: Auf den Suchergebnisseiten von Google sollen bald auch Kauf-Buttons integriert werden, über die die Nutzer ein gesuchtes Produkt direkt erwerben können. Zunächst soll die Kauffunktion nur für Produktsuchen auf mobilen Geräten frei gegeben werden. Das berichtet das Wall Street Journal. Das Programm soll mit einer kleinen Gruppe von teilnehmenden Händlern gestartet werden.
Kauf-Buttons erscheinen dann bei den gesponsorten Suchergebnissen. Die organischen Listings sind nicht in das Programm eingebunden.

Klickt der Nutzer auf den Kauf-Button, kann er nach Weiterleitung auf eine Google-Produktseite dort den Artikel käuflich erwerben. Der Kauf wird zwar über Google abgewickelt, Auslieferung und Verkauf erfolgen aber über die jeweiligen Händler. Die Kaufeinnahmen gehen zunächst an Google und werden von dort an die Händler weitergeleitet. Statt einer Kommission für über Google getätigte Verkäufe sollen die Werbekunden aber nach wie vor lediglich für die Klicks auf die Anzeigen bezahlen.

Mit der Einführung eines Kauf-Buttons stellt sich Google in direkte Konkurrenz zu Online-Marktplätzen wie eBay und Amazon. Das Unternehmen wendet sich damit ab von der bisherigen Strategie, als Anbieter von Internetlinks vor allem Informationen zu verbreiten. Es gewinnt allerdings auch neue Einblicke in die Nutzer, denn für die Abwicklung von Käufen muss Google auch die Bezahldetails der Kunden abrufen.
So sollen die Kontodaten der Kunden auch für zukünftige Transaktionen gespeichert werden.

Die Einführung eines Kauf-Buttons dürfte auch eine Reaktion auf das ständig steigende Interesse der Nutzer an der mobilen Suche für das Internet-Shopping sein. Erste Hinweise auf die Einführung des Kauf-Buttons waren bereits im Dezember 2014 durchgesickert.

© www.internetworld.de

Rich & Royal steigt in den E-Commerce ein

13.05.2015, 14:27

Online-Shop

Das Modelabel Rich & Royal hat seinen Online-Shop gelauncht und ist ab sofort auch im E-Commerce präsent. Unterstützt wurde das Unternehmen von der Agentur reality bytes und CGI.

Online-Shop

(Quelle: Shutterstock.com/Hasloo Group Production Studio)

Das Young Fashion Label Rich & Royal betritt mit einem eigenen Online-Shop ab sofort das E-Commerce-Parkett. Bei der Realisierung des Shops wurde das Modelabel von der Agentur reality bytes unterstützt, die den neuen Online-Shop responsiv gestaltet hat. Somit geht die Seite direkt für Tablets und Smartphones optimiert an den Start. Für die Umsetzungsberatung, Programmierung und Integration des Shops ist das Düsseldorfer Unternehmen CGI zuständig.

Der Look des neuen Online-Shops wurde inhouse kreiert und von reality bytes für die Webseite übernommen. Im Bereich “shop by look” gibt es einen eigenen “Curated Shopping”-Bereich. In einem weiteren Segment namens “Stories” finden Modebegeisterte Informationen rund um die Themenwelten der Modemarke. Die technische Umsetzung wurde von CGI mit dem System Magento realisiert.

Im Mai startete Zalandos Curated-Shopping-Angebot offiziell mit dem finalen Namen Zalon unter der eigenen Website Zalon.de. Bislang lief das Angebot unter dem Namen “Projekt Z by Zalando”.

© www.internetworld.de

Online-Shop in der Cloud eröffnen

13.05.2015, 11:00

E-Commerce-Software

Mit der richtigen Plattform ist der neue Webshop in wenigen Wochen online. Eine Auswahl an cloud-basierte E-Commerce-Lösungen sowie deren Vor- und Nachteile.

Online-Shop in der Cloud eröffnen

(Quelle: Fotolia/Sashkin)

Der Online-Handel boomt. Umsatzsteuerbereinigt prognostiziert der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland, kurz bevh, für 2015 ein Volumen von 39 Milliarden Euro. Dennoch haben viele Firmen, die Waren oder Dienstleistungen vertreiben, die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt.

Laut ibi research nutzen bisher nur 30 Prozent aller stationären Händler auch das Internet als Abverkaufskanal. Dabei macht es ein großes Angebot an cloudbasierten E-Commerce-Plattformen so einfach wie nie, eine virtuelle Filiale zu eröffnen.


E-Commerce in Deutschland

(Quelle: bevh)

Es spricht viel dafür, diese Angebote wahrzunehmen, statt selbst eine Shop-Software zu implementieren und zu betreiben: “Die größten Vorteile von E-Commerce-Plattformen lassen sich mit drei Schlagwörtern beschreiben: Reduzierung, Flexibilität und Effizienz”, sagt Tijen Onaran, Pressesprecherin beim Händlerbund, dem nach eigenen Angaben größten Online-Handelsverband Europas.

Die Auslagerung in die Cloud reduziere den eigenen IT-Aufwand, das Angebot an Speicher und Rechenkapazität lasse sich flexibel an den Bedarf anpassen und die ständige Aktualisierung der Systeme mache teure Updates oder Upgrades unnötig, so Onaran.

Pro und contra Cloud-Lösung
In der Flexibilität sieht auch Jan Griesel, Geschäftsführer beim Anbieter der E-Commerce-Plattformen plentymarkets, den größten Vorteil: “Cloud-Lösungen sind dann sinnvoll, wenn starke Skalierungseffekte zu erwarten sind. E-Commerce-Projekte haben im Regelfall genau diese Herausforderung.”

Aber nicht nur das schwer zu prognostizierende Wachstum stelle Eigenentwicklungen vor Herausforderungen, ergänzt Ingmar Böckmann, E-Commerce-Experte beim bevh, sondern auch die extremen saisonalen Schwankungen, die für den Handel typisch sind: “Zur Abdeckung von Spitzen lassen sich Ressourcen zukaufen, die später an den Dienstleister wieder zurückgegeben werden können.”

Die Auslagerung eines Online-Shops in die Cloud
Die Auslagerung der IT und die flexible Ressourcennutzung bieten erhebliche Einsparpotenziale, kalkuliert Lars Schmoldt, Audience Marketing Manager bei Microsoft Deutschland: “Verglichen mit einer On-Premise-Installation lassen sich durch eine cloudbasierte Lösung zirka 40 Prozent der Betriebskosten einsparen.” Durch die Flexibilität bei den Ressourcen, die in handelsarmen Zeiten einfach heruntergefahren werden können, ergäben sich weitere Kostenreduzierungen von 25 bis 30 Prozent.

Bedenken gegen eine Cloud-Lösung bestehen häufig, wenn es um die Datenhaltung geht. Bei der Verarbeitung personenbezogener Daten, wie sie in einem Webshop anfallen, sind die Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) sowie der europäischen Datenschutzrichtlinie einzuhalten. Laut § 11 (1) des BDSG ist der Auftraggeber für die Einhaltung der Vorschriften verantwortlich, wenn er durch andere – etwa einen Cloud-Provider – personenbezogene Daten erhebt, verarbeitet oder nutzt.
Ein heikles Thema, vor allem wenn die Daten bei US-amerikanischen Providern lagern. Diese können nämlich prinzipiell dazu gezwungen werden, auch die Daten europäischer Kunden an US-Behörden herauszugeben. Ein solches Vorgehen wäre ein Verstoß gegen deutsches und EU-Recht, für den der Auftraggeber und nicht der Cloud-Betreiber verantwortlich gemacht würde. Nicht umsonst nennt E-Commerce-Experte Böckmann vom bevh den Ort der Datenhaltung und -verarbeitung, neben Ausfallsicherheit, Aufwänden für Anpassungen und Betriebskosten als eines der wesentlichen Kriterien für die Auswahl einer E-Commerce-Plattform.

Einen technischen Nachteil kann die bereits erwähnte Flexibilität mit sich bringen. “Bei automatischer, also einer der Nachfrage entsprechenden Skalierung der IT-Ressourcen kann es zum Verlust von Session-Daten kommen”, so Carsten Schütte, Software Architect .NET bei der team-neusta-Unternehmensgruppe, einem IT-Dienstleister, der unter anderem das Design und die Integration von Webshops anbietet. So könnte etwa ein laufender Checkout-Prozess vorzeitig abgebrochen werden, wenn der Kunde sich bis zum Abschluss einer Bestellung zu lange Zeit lasse. Für dieses Problem gibt es Lösungen wie den Session-Load-Balancer von team neusta, der dafür sorgt, dass eine Instanz erst dann heruntergefahren wird, wenn alle Kunden-Sessions abgeschlossen sind.

Auch einer der wesentlichen Vorteile der Cloud – die kontinuierlichen Updates und Upgrades – kann sich in seltenen Fällen in einen Nachteil verwandeln, warnt Felix Kaiser, Senior Principal Consultant beim E-Commerce-Dienstleister Namics: “Genau wie ein Anwender von der Weiterentwicklung des Produkts profitiert, ist er auch zu einem gewissen Grad von dieser abhängig.” Das könne problematisch werden, wenn man vergeblich auf eine dringend benötigte Funktion warten müsse oder sich das Produkt in eine Richtung entwickle, die eher schade als nütze, so Kaiser.

Die umfangreiche E-Commerce-Suite plentymarkets
Das Angebot an E-Commerce-Plattformen aus der Cloud ist groß, weshalb hier nur wenige Lösungen beispielhaft herausgegriffen werden können. Weitere Anbieter finden sich in der Tabelle “E-Commerce-Plattformen (Auswahl)”.
Eine umfangreiche E-Commerce-Suite ist plentymarkets. Die Lösung, die der Hersteller als E-Commerce-ERP bezeichnet, verbindet Warenwirtschaft mit Shop-System und Multichannel-Vertrieb. Neben dem Webshop ermöglicht sie über eine SOAP-API (Simple Object Access Protocol – Application Programming Interface) die Anbindungen an diverse Marktplätze sowie Payment- und Logistikanbieter. Mit der Warenwirtschaft lassen sich Warenströme überblicken und das Bestellwesen sowie die Lagerwirtschaft managen. Ein Prozess-Editor bietet die Möglichkeit, ohne Anpassungen an der Software unternehmensspezifische Workflows im System abzubilden und zu automatisieren. Die Kundenkommunikation lässt sich mit dem integrierten CRM abwickeln.
Alle Daten speichert plentymarkets in Deutschland. Ab Juni 2015 bietet das Unternehmen plentymarkets aber auch in den Rechenzentren von IBM SoftLayer und Amazon Web Services (AWS) an. “Diese Option ist besonders für interna­tionale Online-Shops sehr interessant”, sagt plentymarkets-Chef Griesel. Der Anwender kann immer selbst entscheiden, welches Rechenzentrum in welchem Land verwendet werden soll. Datensicherheit, so Griesel weiter, sei aber an allen Standorten gegeben. Die plentymarkets-Cloud habe erst vor Kurzem das TÜV-Zertifikat für geprüfte Cloud-Sicherheit erhalten.

Beim Leistungsumfang kann der Kunde zwischen den Varianten Basic, Silber und Gold wählen. Sie unterscheiden sich vor allem im Support, den Benutzerlizenzen, der Zahl einstellbarer Artikel und den Transaktionskosten. Die Preise beginnen bei netto 99 Euro im Monat. Hinzu kommen Transaktionsgebühren. Pro Auftrag sind dies 25 Cent, im 500er-Paket fallen 49 Euro an. Darüber hi­naus bietet der Hersteller eine Enterprise-Lösung sowohl zur Miete als auch zum Kauf, die zusätzlich Consulting-Dienstleistungen, Service Level Agreements (SLA) und individuelle Anpassungen enthält.

Wer sich für das Angebot des Unternehmens aus Kassel entscheidet, kann ohne lange Vorlaufzeiten ins Online-Business starten, verspricht Geschäftsführer Griesel: “plentymarkets verfügt bereits im Standard über einen sehr großen Funktionsumfang und weitreichende Konfigurationsmöglichkeiten. Individuelle Software-Anpassungen und damit verbundene Wartezeiten sind die Ausnahme.” Die Systemeinrichtung kann entweder das Consulting-Team des Herstellers oder ein externer Partner übernehmen. Die Gestaltung des Webshops erfolgt im Regelfall über eine Agentur aus dem Partnernetzwerk des Anbieters. Für Einrichtung und Gestaltung sollte man inklusive Vorlauf einen Zeitraum von etwa sechs Wochen einplanen, so Griesel: “Die eigentliche Installation von plentymarkets Cloud ist binnen weniger Minuten erledigt.”

Sphere.IO als Basis für eigene E-Commerce-Projekte
Anders als plentymarkets ist Sphere.IO der Münchner commercetools GmbH weniger ein vorgefertigtes Baukastensystem als vielmehr die Basis für eigene E-Commerce-Projekte. “Die meisten Cloud-Lösungen sind eher standardisiert und daher eingeschränkt. Bei uns kann man alles komplett individuell und nach eigenen Präferenzen programmieren”, betont Gründer und Geschäftsführer Dirk Hörig. Sphere.IO bietet dafür eine schnelle API mit Antwortzeiten unter 100 Millisekunden sowie SDKs und Templates für Programmiersprachen wie Java, PHP oder Ruby. Eine garantierte Verfügbarkeit von 99,98 Prozent und die nach eigenen Angaben “höchsten SLAs” der Branche sind weitere Pluspunkte. Ein integriertes Content-Delivery-Netzwerk (CDN) von Akamai und eine automatische Skalierung, die bei Lastspitzen Hardware ohne Extrakosten zuschaltet, sollen für hohe Performance sorgen.

Was die Datenhaltung angeht, so setzt commercetools auf Hosting-Partner wie Rackspace UK, verspricht aber maximale Datensicherheit. “Sämtliche Daten werden stets nur lokal vorgehalten und verlassen niemals den jeweiligen Rechtsraum beziehungsweise das Rechenzen­trum, ohne den ausdrücklichen Wunsch unserer Kunden”, sagt Hörig. Ein interner Datenschutzbeauftragter sowie externe Gutachter stellten kontinuierlich sicher, dass deutsches Datenschutzrecht eingehalten würde, so Hörig weiter.

Sphere.IO lässt sich 60 Tage lang kostenlos testen, danach fallen je nach Paket monatliche Gebühren zwischen 99 und 2000 Euro an. Die Pakete unterscheiden sich in der Zahl einstellbarer Produkte und Medien sowie in der Bandbreite. Auch die zusätzlich fälligen Transaktionskosten variieren. Sie liegen zwischen 1,25 und 2,5 Prozent des Umsatzes. “Für Enterprise-Kunden verhandeln wir individuelle Preise, bieten Premium-Support, Trainings sowie Professional Services an”, ergänzt Hörig. Die Implementierung geschieht entweder direkt durch den Kunden oder einen Agenturpartner.

Obwohl Sphere.IO-Projekte vergleichsweise anspruchsvoll sind und Programmierkenntnisse erfordern, verspricht Hörig eine schnelle Umsetzung: “Der Einarbeitungszeitraum ist für Entwickler extrem kurz. Klassische Webshops können so bereits in vier bis acht Wochen ausgerollt werden.” Für komplexe internationale Projekte bei Großkunden veranschlagt der commercetools-Geschäftsführer weniger als sechs Monate: “Das ist im Vergleich zu anderen Lösungen wesentlich schneller.”

Wer Sphere.IO wieder verlassen möchte, dem legt commercetools keine Steine in den Weg: “Alle Daten können jederzeit exportiert werden. Die API ist ohnehin öffentlich dokumentiert. Zudem können Daten mittels CSV und XML importiert oder exportiert werden. Zu verschiedenen Systemen wie ERP, Payment, CRM, CMS und andere gibt es vorkonfigurierte Schnittstellen”, erklärt SphereIO-Chef Dirk Hörig.

Elastic Path Java-Framework mit Shop-Funktionen
Elastic Path ist ein Java-Framework, das E-Commerce-Funktionen in Content-Management-Systeme (CMS) integriert. Der Anbieter hat sich dabei vor allem auf CMS-Varianten spezialisiert, die dynamisch interaktive und stark personalisier­bare Webseiten über verschiedene Kanäle ausspielen können.
Zu den unterstützten Produkten gehören OpenText WEM, Hippo CMS und Magnolia. Für die Adobe Marketing Cloud gibt es eine eigene Version, die den Adobe Experience Manager (AEM) um E-Commerce-Tools erweitert. Über eine REST-API (Representational State Transfer) sammelt die Integrationsplattform von Elastic Path Daten aus dem CMS, aus Marketing-Tools, ERP-Programmen oder dem CRM, analysiert diese und stellt darauf basierend Services wie Cross- und Up-Selling, personalisierte Angebote oder kanalübergreifende Warenkörbe zur Verfügung. In Kombination mit Adobe gibt es Elastic Path auch als Managed-Cloud-Lösung.
Hoster ist das bereits erwähnte Rackspace. Der 1998 in San Antonio, Texas, gegründete Provider betreibt Rechenzentren in den USA, Australien, Großbritannien und Hongkong.

Über Preise schweigt sich das Unternehmen aus, dafür sind die Produkte wohl zu individuell. Dennoch soll eine Elastic-Path-Integration auch nur wenige Wochen dauern, verspricht Felix Kaiser vom Elastic-Path-Partner Namics: “Wenn es bereits eine Website mit Produkten gibt, dann kann man diese mit Elastic Path durchaus in vier bis acht Wochen um Shop-Funktionalitäten ergänzen.” In der Regel dauerten E-Commerce-Projekte von Konzept bis Live-Gang aber eher zwischen sechs und zwölf Monaten, so der Experte weiter.

Auch Elastic Path legt laut Kaiser Kunden keine Fessel an: “Elastic Path ist so gebaut, dass es Informationen aus vielen Umgebungssystemen integrieren kann. Dementsprechend sind ausnahmslos alle Informationen auf demselben Weg auch wieder migrierbar.”

Die Omnichannel-Commerce-Lösung hybris
Die SAP-Tochter hybris bezeichnet ihr Produkt als Omnichannel-Commerce-Lösung und verspricht, Kunden über alle Kanäle hinweg ein konsistentes Kauferlebnis zu bieten.

Die hy­bris Commerce Suite ist keine vorgefertigte Lösung, sondern eine flexible Plattform, die Shop-Betreibern weitreichende Anpassungen an eigene Anforderungen ermöglicht – von der Bedienoberfläche über die Integration von Prozessen und Schnittstellen bis hin zur Abbildung eines firmenindividuellen Domänenmodells.

Mit hybris lassen sich sowohl schlüsselfertige Webshops für B2B oder B2C erstellen als auch aus Modulen zusammengesetzte individuelle Lösungen. Für Letzteres gibt es eine Vielzahl an Optionen, zum Beispiel ein Print-Modul, die Anbindung von Asset-Management-Systemen, ein Order-Management oder die Integration in Enterprise-CMS-Systeme wie Adobe AEM, OpenText und FirstSpirit.

hybris lässt sich im eigenen Rechenzentrum installieren, wird aber unter dem Namen hybris Cloud for Commerce auch als Managed Service angeboten. Microsoft bietet alternativ die Möglichkeit, hybris in seiner Cloud Azure zu betreiben. Es hat dazu eigens den Hybris Deployment Accelerator entwickelt. “Damit sind Implementierungspartner und Kunden in der Lage, komplexe Shopsysteme auf Knopfdruck bereitzustellen, inklusive verteiltem Konfigurationsmanagement und einer zentralen Verwaltung der hybris-Installation”, verspricht Microsoft-Manager Schmoldt. Der Accelerator soll demnächst als Open Source auf Github zur Verfügung stehen.

Eines der ersten Unternehmen, das diese Möglichkeit der hybris-Bereitstellung in Anspruch genommen hat, ist die Beate Uhse AG. Der Erotika-Vertrieb hat 2014 rund 60 Millionen Euro im Versandhandel umgesetzt, 80 Prozent davon im E-Commerce. Er will im Online-Handel weiter wachsen, und das nicht nur im Inland. Mit seinen Marken Pabo, Christine le Duc und Adam & Eve will das Unternehmen auch in den Benelux-Staaten, Großbritannien und Frankreich Marktanteile gewinnen. “hybris auf Azure hat unseren Bedürfnissen entsprochen – auch in Hinsicht auf unsere Expansion”, sagt Marco Vis, Managing Director bei Beate Uhse.
Die Implementierung dauerte ein Jahr, ein weiteres ging mit der Optimierung ins Land. “Wir mussten nach der Umstellung auf hybris in eine Phase des Feintunings gehen, die etwas länger dauerte als geplant”, erinnert sich Vis. Jeder Webshop wurde für jedes Land separat auf die neue Lösung umgeschaltet. “Jetzt merken wir, dass die Optimierung nahezu abgeschlossen ist und Früchte trägt.”

Fazit
Angesichts der Vielzahl unterschiedlichster E-Commerce-Plattformen verwundert die Zurückhaltung deutscher Unternehmen beim Online-Handel sehr. Vielleicht ist es jedoch gerade diese Fülle, die eine Orientierung verhindert und die Entscheidungsfindung schwierig macht. Aber auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, die teuren Abmahnungen Vorschub leisten, bremsen ein noch stärkeres Wachstum im E-Commerce.

Auf jeden Fall ist vor der Entscheidung für oder gegen eine Shop-Lösung eine gründliche Planung notwendig. Ein Unternehmen muss nicht nur wissen, was und wie es zum gegenwärtigen Zeitpunkt verkaufen will, sondern auch, wie die Perspektive für die kommenden Jahre aussieht. Stellt man nämlich nach einiger Zeit fest, dass die gewählte Shop-Lösung nicht die richtige ist, weil sie zum Beispiel mit dem Wachstum an Produkten, Zugriffen und Transaktionen nicht mithalten kann, wird ein Umzug nicht nur teuer, er ist auch kaum ohne Ausfall und Lieferprobleme zu bewerkstelligen. Sinkende Kundenzufriedenheit und -loyalität kann dabei wesentlich mehr Geld kosten als die reinen Aufwendungen für die Migration.
So viel ist sicher: Für den Eigenbetrieb eines Webshops gibt es kaum mehr gute Argumente.

Ausfallsicherheit, Verfügbarkeit, Bandbreite und Flexibilität in einer Qualität bereitzu­stellen, die es mit der Leistungsfähigkeit der Cloud-Plattformen aufnehmen kann, das dürfte nur Unternehmen mit sehr großen, bereits weitestgehend virtualisierten Rechenzentren gelingen.

© www.internetworld.de