Neues Elektrogesetz ärgert Online-Händler

11.03.2015, 15:17

Gesetzesnovelle

Elektrogeräte können zur Gefahr für Umwelt und Gesundheit werden, wenn sie falsch entsorgt werden. Eine jetzt beschlossene Reform des Elektrogesetzes hat weitreichende Folgen für den E-Commerce.

Neues Elektrogesetz ärgert Online-Händler

(Quelle: Shutterstock.com/asharkyu)

Kaum ist das iPhone 6 auf dem Markt, landet sein Vorgänger im Restmüll des Apple-Fans – um solche und ähnliche Szenarien künftig zu verhindern, hat das Bundesumweltministerium eine Neuordnung des Elektrogesetzes beschlossen. Damit soll eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates aus dem 2012 (sogenannte WEEE-Richtlinie) umgesetzt werden. Ziel ist es, die Schäden für Umwelt und Gesundheit zu verringern, die Entstehen wenn Elektroschrott in den Hausmüll geworfen wird. Dazu sollen Elektrohändler verpflichtet werden, alte Elektrogeräte beim Neukauf eines gleichwertigen Geräte zurückzunehmen.

Kleine Geräte wie zum Beisiel wie Handys, Ladegeräte oder Modems müssen außerdem auch ohne Neukauf kostenfrei zurückgenommen werden. Die Neuregelung betrifft nicht nur größere stationäre mit mehr als 400 Quadratmetern Fläche, sondern auch Online-Händler. Amazon beispielsweise verlangt bei der Lieferung einer neuen Waschmaschine 15 Euro für die Rücknahme des alten Geräts – in Zukunft wäre dieser Servicekostenlos. Das Umweltministerium empfiehlt E-Commerce-Unternehmen hier Rücknahmekooperationen mit stationären Händlern oder mit Sozialeinrichtungen wie der Caritas.

Die EU-Richtline sieht vor, dass bis zum Jahr 2016 mindestens 45 Prozent des anfallenden Elektromülls erfasst und nach Möglichkeit wiederverwertet werden sollen, bis 2019 soll der Anteil auf 65 Prozent steigen.

Handelsverbände üben Kritik

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) ärgert sich erwartungsgemäß über den Kabinettsentwurf. “Die zu erwartenden Rücknahmequoten auf dem Postweg stehen mit dem Aufwand zur Einrichtung eines solchen Systems völlig außer Verhältnis. Händler sind keine Entsorgungsunternehmen”, beschwert sich Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh. “Dieselben Akteure, die an anderer Stelle immer wieder über die angeblich schlechte Ökobilanz des Versandhandels wettern, führen nun durch die Hintertür abermals neue Pflichten ein, die ausgerechnet vermeidbare Versandvorgänge auslösen würden.”

Kritik kommt auch vom Handelsverband Deutschland (HDE): “Schon jetzt funktioniert die freiwillige Rücknahme von Elektrogeräten im Einzelhandel hervorragend”, meint HDE-Geschäftsführer Kai Falk. Der Verband plädiert darüber hinaus für eine “haushaltsnahe Entsorgung in die geplante Wertstofftonne”, hierüfr müsse die Recyclingwirtschaft allerdings erst noch die technologischen Voraussetzungen schaffen. Die Einbeziehung des Online-Handels begrüßt der HDE dagegen, sie sei “wichtig für einen fairen Wettbewerb unter den Händlern”.

Päckchen müssen nicht nur die Ware schützen, sondern auch Kundenwünschen gerecht werden und ökologische Ansprüche erfüllen. Welche Strategien verfolgen Online-Händler zur Optimierung der Verpackungen? Das hat die Studie ” Versand- und Retourenmanagement im E-Commerce” des EHI Retail Institute untersucht.

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Preis und Bequemlichkeit sprechen für Online

02.12.2014, 11:28

Zukunft des Handels

Was kaufen die Deutschen lieber online ein – und für welche Produkte bevorzugen sie stationäre Läden? Das hat eBay für sein Projekt “Die Zukunft des Handels” erforscht.

Der

(Quelle: ebay.de)

Für Verbraucher stellen der Gang ins Ladengeschäft und das Einkaufen im Internet keinen Widerspruch dar. Die Konsumenten messen beiden Einkaufskanälen ihre Bedeutung zu – mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Dies ergab eine repräsentative Befragung des Marktforschungsinstituts Innofact unter 1.000 Personen, die eBay im Rahmen des Projekts “Zukunft des Handels” beauftragt hat.

Am Online-Handel schätzen Verbraucher (76 Prozent) neben der Möglichkeit, preiswert einkaufen und Preise vergleichen zu können, dass sie Artikel erwerben können, die im Ladengeschäft nicht vorrätig sind. 72 Prozent der Konsumenten halten die maximale Produktauswahl für einen wesentlichen Vorteil des Online-Handels. 70 Prozent der Befragten werden in der Zukunft auch solche Produkte online kaufen, die schwer zu transportieren sind. 71 Prozent der Verbraucher sehen einen Vorteil des Online-Einkaufens darin, dass sie die Öffnungszeiten und Erreichbarkeit von stationären Geschäften umgehen können.

Stationäre Ladengeschäfte werden die Verbraucher auch künftig aufsuchen, um Dinge zu kaufen, die sie gleich mitnehmen können – dies nennen 79 Prozent der Befragten als eine wichtige Funktion des lokalen Handels. Für 77 Prozent der Befragten spielt das Ladengeschäft eine wichtige Rolle bei der Erledigung wiederkehrender Alltagseinkäufe. 72 Prozent der Verbraucher werden den stationären Handel künftig nutzen, um Produkte vor dem Kauf in die Hand nehmen und ausprobieren zu können. 71 Prozent lassen sich vom stationären Produktangebot gern inspirieren. 30 Prozent der Befragten können sich vorstellen, dass Ladengeschäfte in Zukunft vor allem als Showrooms fungieren werden, in denen Waren präsentiert und erlebbar gemacht werden. Weitere 37 Prozent halten es für durchaus möglich.

Wie sich offline und online ergänzen können, zeigen die Metro Group, Paypal und eBay derzeit in ihrem gemeinsamen Pilotprojekt “The Inspiration Store” im Weserpark Bremen. Bis Mitte Januar 2015 können die Kunden können aus einem zweiwöchig wechselnden Produktsortiment sowohl vor Ort als auch online bei eBay aus jeweils 400 verschiedenen Artikeln wählen.

In Hamburg hat der Online-Marktplatz Ende November in “The Inspiration Gallery” die Geschenkideen tausender Fans ausgestellt.

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Home24 überarbeitet seinen Webshop

21.07.2014, 15:52

Möbelhandel im Web

Der Online-Möbelhändler Home24 hat seiner Website eine neue Optik verpasst. Mit größeren Bildern und einer verbesserten Produktdarstellung soll der überarbeitete Shop bei den Kunden punkten.

(Quelle: Shutterstock.com/PlusONE)

Home24 hat die Seite seines Online Shops einem Relaunch unterzogen. Große Bilder, eine intuitive Struktur und einige Konfigurationsmöglichkeiten sollen nun ein besseres Einkaufserlebnis bieten. Eine optimierte Produktdarstellung soll Käufern die Auswahl aus dem Sortiment von über 95.000 Produkten erleichtern. Ein Konfigurationstool ermöglicht Kunden zudem, Möbel je nach Bedarf individuell zusammenzustellen und anschließend mit einem Klick zu bestellen.

“Wir haben in den letzten Jahren viel über die Wünsche und Bedürfnisse unserer Kunden gelernt. Diese Erfahrung bündelt sich in unserem neuen Shop”, sagt Domenico Cipolla, Geschäftsführer von Home24. Nach eigenen Angaben konnte der Möbel-Webshop die Zahl seiner Kunden von 500.000 im vergangenen August mittlerweile verdoppeln.

Im Mai 2014 gab Home24 den Bau eines neuen Logistikzentrums bei Berlin bekannt. Für den Bau der Anlage wurde der Immobilienkonzern Goodman beauftragt, der auch die Zentrallager von Zalando in Erfurt und Mönchengladbach betreut. Home24 hat seinen Hauptsitz in Berlin und beschäftigt derzeit über 300 Mitarbeiter. Neben Deutschland ist das Unternehmen in Frankreich, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz aktiv.

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Österreich liebt Amazon

02.05.2014, 9:02

Onlineshop-Ranking

Welche Onlineshops sind in Österreich besonders beliebt? Dieser Frage geht die Erfolgsfaktoren-Studie des EEC Köln nach. Den Spitzenplatz erreicht Amazon, dicht gefolgt von Esprit.

(Quelle: Fotolia.com/cirquedesprit)

In Deutschland kritisch gesehen, in Österreich der Branchenprimus: Amazon belegt bei der Studie “Erfolgsfaktoren im E-Commerce – Top Online-Shops in Österreich 2014″ des E-Commerce Center (ECC) Köln am Institut für Handelsforschung die Top-Position. Wie im vergangenen Jahr räumte der Online-Marktplatz in Österreich wieder ab und erhielt 74,9 von 100 Punkten für Benutzerfreundlichkeit, Sortiment und Preis-Leistungs-Verhältnis.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Mit nur einem Punkt Abstand (73,9 Punkte) erreicht der Onlineshop der Modemarke Esprit den zweiten Platz. Vor allem die Website-Gestaltung und die Organisation des Bezahlungsvorgangs überzeugten die österreichischen Kunden. Auf dem dritten Platz liegt der IT-Händler DiTech vor dem Kaffeehändler Tchibo/Eduscho und dem Schuhshop Zalando.


Ranking

“Die fünf besten Online-Shops in Österreich erreichen gute Indexwerte und bewegen sich damit aus Kundensicht bereits auf hohem Niveau”, kommentiert Sabrina Mertens, Leiterin des ECC Köln, die Ergebnisse. “Häufig entscheiden minimale Unterschiede bei näherer Betrachtung der Einzelkriterien über die Platzierung im Ranking.” Dabei sei übrigens das Thema Bezahlung bei allen untersuchten österreichischen Shops von den Kunden gut bewertet worden.

In den Einzelkategorien Website-Gestaltung, Benutzerfreundlichkeit und Sortiment, Service, Versand und Lieferung, sowie Preis-Leistungs-Verhältnis und Bezahlung schnitten Esprit (Website-Gestaltung), Amazon (Benutzerfreundlichkeit, Sortiment), DiTech (Service, Versand & Lieferung), Weltbild (Preis-Leistung) und Universal Versand (Bezahlung) als Sieger ab.

Die Studie erlaubte neben dem Ranking auch einen Einblick in das Kaufverhalten der Nutzer. Der kritische Punkt für den Abschluss eines Online-Kaufs ist dabei die Höhe der Versandkosten. Fehlende Verfügbarkeit von Produkten ist ebenfalls für Kaufabbrüche verantwortlich, ähnlich wie das Fehlen des bevorzugten Bezahlverfahrens.

Das Zahlungsverhalten von Kunden hatte das EEC Köln auch in einer Studie Anfang Januar 2014 unter die Lupe genommen. Die meisten Nutzer bevorzugen danach die Zahlung über Paypal.

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E-Commerce in den Alpenländern boomt

12.11.2013, 14:08

Onlinehandel in Österreich und der Schweiz

Der E-Commerce in Österreich und der Schweiz wächst und wächst. Die Onlineshops in den Alpenländern setzen dabei auch auf den Multichannelansatz.

(Foto: istock.com/alexi)

Die Studie "E-Commerce-Markt Österreich/Schweiz 2013" von EHI und Statista erlaubt einen Blick in die Online-Aktivitäten der Nachbarländer. In Österreich machten die jeweils 250 umsatzstärksten Onlineshops im Jahr 2012 einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro (Vorjahr 2,1 Milliarden Euro). Das ist ein Wachstum von 19 Prozent. Die Schweiz setzt da noch einen oben drauf: Um ganze 26 Prozent verbesserte sich dort der Umsatz auf 4,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Vor allem die Generalisten machen Kasse – in Österreich mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes (34,7 Prozent). In der Schweiz sind vor allem Elektronikshops erfolgreich. Mit Computer, Unterhaltungselektronik, Handys und Zubehör wurde 29,2 Prozent des Schweizer Gesamtumsatzes erzielt.

Beide Länder haben die Relevanz eines Multichannelansatzes erkannt: Fast zwei Drittel aller Onlinehändler in Österreich sind mittlerweile auch mit einem stationären Geschäft vertreten (61,2 Prozent), aber auch der Verkauf über Amazon (36,4 Prozent), eBay (26,8 Prozent) und Kataloge (18,4 Prozent) wird als Vertriebskanal genutzt. In der Schweiz liegt der Anteil der stationär vertretenen Onlinehändler bei 57,2 Prozent. Fast ein Drittel (27,2 Prozent) verkaufen ihre Produkte auch über Kataloge, nur 14 Prozent nutzen den Amazon-Marktplatz als Vertriebsweg und bei eBay sind es gerade 5,6 Prozent.

Auch auf Netzwerken sind die Alpenländler aktiv: Facebook wird von 85,6 Prozent der Shops in Österreich und 79,2 Prozent der Shops in der Schweiz genutzt. Twitter wird von 58,4 Prozent der österreichischen Shops und 61,2 Prozent der Schweizer Onlinehändler genutzt.

Die Angaben der Studie beruhen auf einer Händler-Befragung (EHI) und Statista-Hochrechnungen. Schwerpunkt der Untersuchung waren B2C-Onlineshops für physische und digitale Güter.

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Geld für Rebelle

22.10.2013, 13:48

Mode-Online-Portal will wachsen

Die im August gestartete Plattform für Designmode aus zweiter Hand, Rebelle, will sein Unternehmenswachstum ankurbeln. Dazu konnte der Marktplatz jetzt den High-Tech Gründerfonds als Investor gewinnen.

(Foto: fotolia.de/Africa Studio)

Noch nicht lange am Start, aber schon holt sich Rebelle einen neuen Investor ins Boot. Mit einer Kapitalspritze vom High-Tech Gründerfonds will der Second-Hand-Marktplatz für Designermode das Wachstum der Plattform vorantreiben. "Zusammen mit dem High-Tech Gründerfonds sind wir jetzt gut aufgestellt, um in einem kompetitiven Markt unser Geschäftsmodell schnell zu skalieren und zum führenden deutschen Anbieter im Luxus-Second-Hand-Segment zu werden", sagen die Rebelle-Gründerin Cécile Gaulke und ihr Partner Max Schönemann. Die bisherige Kundenresonanz untermaure diesen Schritt.

Der High-Tech Gründerfonds begründet seine Investition in das Fashion-Start-up mit der Erfolg versprechenden eigenen POS-Lösung von Rebelle. "Sie hat das Potenzial, Branchen, die bisher nur offline vertreten waren, einfach und günstig an das Internet anzubinden", so Marvin Andrä, Investment Manager beim High-Tech Gründerfonds.

Rebelle startete Mitte August 2013 mit seiner Plattform, auf der ausschließlich Designermode aus zweiter Hand verkauft wird. Hinter dem Betreiber StyleRemains verbergen sich Cécile Gaulke, Max Schönemann und Hanse Ventures. Erst kürzlich war ebenfalls in Hamburg mit Vite EnVogue ein weiterer Shopping Club für Designer-Second-Hand ans Netz gegangen.

E-Commerce ist nicht nur für den Weiterverkauf von Luxusmode wichtig. Auch die Marken selbst haben mittlerweile erkannt, dass die Altersgruppe der jungen Internetnutzer eine wertvolle Zielgruppe ist, die das Markenimage jung hält. In Deutschland ist der Online-Mode-Handel der stärkste Umsatztreiber: Jeder vierte Deutsche kauft mittlerweile seine Kleidung lieber im Netz als im Geschäft.

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Gefahren der Verbraucherrechterichtlinie

14.08.2013, 9:01

Widerrufsfrist kann zum Problem werden

Die EU-Verbraucherrechterichtlinie, die zum 13. Juni 2014 auch in Deutschland etliche Änderungen für Webshop-Betreiber mit sich bringt, wird den Onlinehandel über EU-Binnengrenzen hinweg mit Sicherheit vereinfachen. Dennoch drohen Händlern Abmahnungen, weil nicht alle Fälle mit den neuen Regelungen so einfach abzudecken sind.

(Foto: Fotolia.com/THesIMPLIFY)

Im Zuge der Umsetzung der Verbraucherrechterichtlinie (VRRL) werden viele Hindernisse in Bezug auf den grenzüberschreitenden Handel ausgeräumt. Allerdings kommen auch einige neue Probleme hinzu, die wahrscheinlich neue Abmahnungen hervorrufen. So wird es zum Beispiel nicht möglich sein, unter Einsatz der neuen Musterbelehrung mit nur einem Text für alle Bestellsituationen auszukommen.

Dies betrifft zum Beispiel Teillieferungen, bei denen der Zeitpunkt der Widerrufsfrist nicht eindeutig zu bestimmen ist. Für weitere Probleme könnte die exakte ­Berechnung der Rücksendekosten im Vorfeld sorgen. Das betrifft insbesondere ­Ware, die nicht paketfähig ist und per Spedition transportiert werden muss. In der Praxis dürfte viele Händler die Pflicht, ein Datum zu nennen, bis zu dem spätestens geliefert wird, vor große Herausforderungen stellen. All diese Fragestellungen könnten Anlass für wettbewerbsrechtliche Abmahnungen werden – und die Gerichte beschäftigen.

Ein weiterer Konflikt bei der Umsetzung der VRRL könnte im Zusammenhang mit der sogenannten Textformbelehrung entstehen. Denn bereits im Jahr 2010 hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass ein Belehrungstext auf einer Website keine "Textform" darstelle. Verbraucher müssen die zum Vertragsschluss geltenden Bedingungen als Dokument zur Verfügung ­gestellt bekommen. Ob die deutschen Umsetzungen der VRRL wirklich im Einklang mit der Richtlinie stehen, wird sich noch zeigen müssen. Es könnte durchaus sein, dass der Europäische Gerichtshof ­eines Tages über die Rechtmäßigkeit der deutschen Gesetze entscheidet.

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Handel ins EU-Ausland und die Schweiz

05.08.2013, 9:23

Veränderungen durch die Verbraucherrechterichtlinie

So löblich die Bestrebungen im Zuge der Verbraucherrechterichtlinie sind: Trotz anvisierter Vollharmonisierung gibt es nach wie vor Unterschiede zwischen einzelnen Ländern innerhalb der EU. Und die Schweiz hat ohnehin andere Regelungen – wenngleich es Bestrebungen gibt, sich der EU zumindest anzunähern.

(Foto: Fotolia.com/Daboost)

Die bisherigen Rechtsvorschriften der EU-Mitgliedstaaten auf dem Gebiet der Verbraucherverträge weisen erhebliche Unterschiede auf, etwa zum Verbraucherbegriff, zur Länge der Widerrufsfrist, der Form der Belehrung oder den Rücksendekosten. Verantwortlich dafür ist das Mindestharmonisierungskonzept der bisher gültigen Fernabsatzrichtlinie von 1997. Diese Rechtszersplitterung hat spürbare Wettbewerbsverzerrungen und Hindernisse für das reibungslose Funktionieren des europäischen Binnenmarktes verursacht.

Im Zuge der >Verbraucherrechterichtlinie (VRRL) wurde das Konzept der Mindestharmonisierung durch den Vollharmonisierungsansatz ersetzt: Die EU-Mitgliedstaaten dürfen künftig ­keine Rechtsvorschriften beibehalten oder einführen, die von denen der ­EU-Richtlinie abweichen. Keine Frage: Das Konzept der Vollharmonisierung vereinfacht den Onlinehandel über die EU-Binnengrenzen hinweg. Allerdings sind dadurch noch nicht alle Hindernisse für den grenzüberschreitenden Handel beseitigt worden.

So gelten in den Mitgliedstaaten beim Datenschutzrecht, dem Vertragsrecht oder dem Sanktionsrecht bei Verstößen gegen Verbraucherschutzvorschriften weiterhin unterschiedliche Regelungen. In Deutschland gibt es das Instrument der wettbewerbsrechtlichen Abmahnung unter Konkurrenten, in Frankreich oder Polen gehen hierfür zuständige Behörden gegen Wettbewerbsverstöße vor. Auch kann ein Händler bei sogenannter aktiver Ausrichtung auf einen anderen Staat von einem Verbraucher auch dort verklagt werden (Art. 16 Abs. 1 EuGVVO).

In der Schweiz existieren derzeit keine Vorschriften, die dem europäischen Fernabsatzrecht vergleichbar sind. Nach einem gescheiterten Anlauf im Jahr 2005 gibt es aktuell jedoch erneut Bestrebungen, ein Widerrufsrecht und Informationspflichten nach europäischem Vorbild einzuführen. Der Schweizerische Versandhandelsverband (VSV) und der Kölner Web­shop-Zertifizierer Trusted Shops verlangen heute schon, dass ihre Mitglieder ein freiwilliges Widerrufsrecht einräumen, allerdings nach ­weniger strengen Maßstäben, als sie das europäische Recht verlangt. Besonderheiten gibt es auch bei Preisauszeichnungen: In der Schweiz müssen Endverbraucherpreise grundsätzlich ­inklusive Versandkosten angegeben werden.

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Vor- und Nachteile der Verbraucherrechterichtlinie

30.07.2013, 13:21

Darauf sollten Online-Händler vorbereitet sein

Aus Sicht der Online-Händler bringt die EU-Verbraucherrechterichtlinie einige Vor- und Nachteile mit sich. INTERNET WORLD Business hat sie zusammengefasst.

(Foto: Fotolia.com/fotomek)

Die EU-Verbraucherrechterichtlinie (VRRL) bringt etliche Veränderungen mit sich, die ab 13. Juni 2014 in Deutschland gelten. Die neuen Regelungen, die unter anderem die Informationspflichten und das Widerrufsrecht sowie Kundenhotlines, Bezahlarten und den Auslandshandel betreffen, bringen für Webshop-Betreiber auch einige Vor- und Nachteile mit sich.

Vorteile

  • Für die gesamte EU ist eine einheitliche Muster-Widerrufsbelehrung vorgesehen. Zudem beträgt die Widerrufsfrist dann in allen Mitgliedsstaaten 14 Tage ab Erhalt der Ware.
  • Die 40-Euro-Klausel entfällt. Die Händler können künftig die Rücksendekosten dem Verbraucher unabhängig vom Warenwert auferlegen.
  • Bei der Rückabwicklung darf der Händler künftig die Rückzahlung solange verweigern, bis er die Ware vom Verbraucher zurückerhalten hat.
  • Zukünftig wird die Versandkostenangabe in den Fällen erleichtert, in denen die Kosten "vernünftigerweise" nicht im Voraus berechnet werden können.

Nachteile

  • Die neue Muster-Widerrufsbelehrung muss nach Kriterien gestaltet werden, die zum Bestellzeitpunkt teilweise noch nicht vorhersehbar sind (z.B. ob eine Teilsendung notwendig ist oder nicht).
  • Der Händler muss in Zukunft die Rücksendekosten bei nicht paketversandfähiger Ware exakt beziffern.
  • Kosten für Kunden-Hotlines, die für Anfragen zu geschlossenen Verträgen eingerichtet werden, dürfen nicht mehr über die Grundtarife hinausgehen.
  • Die Angaben zum Lieferzeitpunkt werden verschärft. In Zukunft ist anstelle der Lieferzeit der exakte Liefertermin (Datum) zu benennen.

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Branchenreport "Online-Handel 2013"

30.07.2013, 11:49

Verdrängungswettbewerb im Web nimmt zu

Der Verdrängungswettbewerb im Internet wird weiter zunehmen, prognostiziert der Branchenreport “Online-Handel 2013″ – obwohl derzeit noch alle Online-Vertriebsformen wachsen können. Bereits jetzt zeichne sich ein leichter Rückgang der Marktanteile von Herstellern und Katalogversendern ab. Gewinner sind die Online Pure Player.

(Foto: Fotolia.com/pressmaster)

Das Online-Marktvolumen ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 15 Prozent gewachsen. Dabei sind die unterschiedlichen Vertriebsformen am Markt sehr unterschiedlich erfolgreich, wie der Branchenreport "Online-Handel 2013" des Instituts für Handelsforschung IFH Köln zeigt. Den größten Umsatz und das stärkste Wachstum erzielten demnach im Jahr 2012 die Internet Pure Player, die ihre Produkte ausschließlich online verkaufen – mit einem Anteil von 35,4 Prozent am Online-Handel. An zweiter Stelle stehen die stationären Händler Online (29,3 Prozent). Online-Katalogversender wie Otto oder Baur kommen nach weiteren Umsatzeinbußen nur noch auf einen Internet-Anteil von knapp 24 Prozent.

Der Online-Verdrängungswettbewerb werde weiter zunehmen, prognostiziert der Branchenreport "Online-Handel 2013" – obwohl derzeit noch alle Online-Vertriebsformen wachsen können. Bereits jetzt zeichne sich bei den Hochrechnungen ein leichter Rückgang der Marktanteile von Herstellern und Katalogversendern ab.

"Anders als es sich vor kurzem noch andeutete, konnten die Stationären Händler Online das Wachstum der Pure-Player nicht nachhaltig bremsen. Umgekehrt ist es sogar so, dass erste Pure-Player im Gebiet der stationären Händler wildern und ihr Online-Angebot durch Filialen ergänzen", so Hansjürgen Heinick, Senior Consultant am IFH Köln. So sei beispielsweise der Spielwarenhändler myToys.de stationär bereits stark vertreten. Wie sehr Internet Pure Player tatsächlich auch dem stationären Handel Marktanteile streitig machen können, bleibe aber abzuwarten: "Die Kanalvorteile, die die Internet Pure Player online gegenüber anderen Anbietern haben, können die stationären Händler offline ebenfalls ausspielen", so Heinick weiter.

Ein Blick in die Zukunft zeige, dass alle großen Vertriebswege aus dem anhaltenden Online-Boom Nutzen ziehen können. Die Experten des IFH prognostizieren, dass bis 2017 alle Vertriebsformen mit Wachstumsraten rechnen können. Mit einem Plus von 13,8 Prozent werden aber weiterhin die Internet Pure Player am stärksten wachsen. Der Anteil der Versender am Gesamtmarkt werde dagegen weiter abnehmen. Demzufolge bedrängt das Internet nicht nur den stationären Handel, auch der Wettbewerb der Online-Vertriebsformen untereinander verschärft sich.


IFH RETAIL CONSULTANTS, 2012 Hochrechnung

Quelle: IFH RETAIL CONSULTANTS, 2012 Hochrechnung (H), 2013-2017 Prognose (P)

Beim Einkaufserlebnis haben stationäre Läden gegenüber Webshops allerdings noch die Nase vorn, wie eine Umfrage des ECC Köln zeigt. Für rund 46 Prozent der befragten Konsumenten ist das Einkaufserlebnis im Ladengeschäft sogar deutlich schöner als online.

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