Social Media: “Gekommen um zu bleiben”

14.03.2012, 10:29

Im Praxisforum der Swiss Online Marketing Messe findet morgen, Donnerstag, eine von der Nachrichtenagentur pressetext unter der Leitung von Wilfried Seywald organisierte Podiumsdiskussion zum Thema “Social Media: PR-Blase oder Erfolgschance?” statt. Am neuen Veranstaltungsort im Messegelände Zürich diskutieren ab 16:00 Uhr hochkarätige Experten in der Halle 9.2 über die Zukunft der sozialen Medien.

Social-Media Experten im Gespräch
(Bild: pressetext.com)

“Social-Media ist kein Hype. Das Thema wird stark diskutiert, weil es neu ist. Über kurz oder lang werden diese Kanäle in die Unternehmenskommunikation eingehen”, stellt Autorin und Diskussionsteilnehmerin Marie-Christine Schindler ihren Standpunkt dar. Dass die Sozialen Medien nur ein kurzlebiges Zeitgeist-Phänomen sind, glaubt inzwischen kaum mehr jemand. “Wir erleben erst den Anfang einer neuen Art der Kommunikation von Menschen, die einander vertrauen, sich interessant finden und eben deshalb Informationen und Gefühle digital austauschen wollen und ihren eigenen, ganz persönlichen Newsticker publishen. Social Media ist gekommen, um zu bleiben”, glaubt auch Martin Zimper von der Zürcher Hochschule der Künste. Ob Unternehmen es schaffen, Kapital aus den neuen Kommunikationskanälen zu ziehen, hängt stark von der Führung ab.

“Selbst Firmen, die nicht aktiv teilnehmen wollen, können nicht auf die sozialen Netzwerke verzichten, wenn sie auf dem Laufenden bleiben wollen”, glaubt Schindler. Trotzdem gibt es noch zuhauf Unternehmen, die soziale Netzwerke kritisch sehen. “Firmen, die ihren Mitarbeitern verbieten, Facebook in der Dienstzeit zu verwenden, handeln falsch. Jede Firma müsste ganz im Gegenteil versuchen, ihre Mitarbeiter zu motivieren, in ihren persönlichen Accounts auch etwas über ihre Firma zu äußern und zu verbreiten”, so Zimper.

Die Verwendung von Social Media hat gerade für Firmen auch ihre Tücken. “Wer nur Werbebotschaften und PR plakatieren will, für den ist Social Media kein Kanal. Es ist eine Frage der Unternehmenskultur und der Offenheit gegenüber Kunden und Mitarbeitern, ob man einen Social Media Auftritt hat oder nicht”, erklärt Zimper. Bei entsprechender Vorarbeit gibt es nicht viel zu verlieren. “Wenn die Prioritäten entsprechend gesetzt werden, sind soziale Medien kein Zeitkiller, obwohl es anfangs sicher einige Zeit dauert, bis alle Beteiligten die nötige Routine haben”, sagt Schindler.

Zur Problematik der schwindenden Privatsphäre gibt es verschiedene Ansichten. “Wir werden künftig in einer Gesellschaft leben, in der es fast keine Geheimnisse mehr geben wird. Ich finde das ganz gut”, ist Zimper überzeugt. Kritiker wollen das jedoch nicht einfach akzeptieren. “Auf die Herausforderungen um die Wahrung der Privatsphäre gibt es noch keine endgültigen Antworten”, so Schindler. An den Strukturen der sozialen Medien wird sich vermutlich noch einiges ändern, auch wenn sich die erste Aufregung um das Thema gelegt hat.

“In Zukunft wird nicht mehr von Social-Media-Kommunikation, sondern von einer integrierten, crossmedialen und vernetzten Online-Kommunikation gesprochen werden”, glaubt Schindler. Die grundlegenden Motivationen, die Menschen in die sozialen Netzwerke locken, könnten aber auch zu ganz neuen Entwicklungen führen. “Die Technik ändert sich, aber der Mensch ändert sich nicht. Uns interessieren andere Menschen, ihr Leben, vor allem aber die großen Wendepunkte ihres Lebens und die Frage: Gibt es da draußen auch noch andere, die so ticken wie ich? Ich könnte mir vorstellen, dass künftig menschliche Begegnungen über Kontinente hinweg als Hologramme gebaut werden”, spekuliert Zimper.

(Dr. Wildfried Seywald/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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Social Media: “Unsichtbare Macht”

30.01.2012, 9:53

Beim ersten Social-Media-Gipfel für Nonprofit-Kommunikation 2.0 der Nachrichtenagentur pressetext haben Experten in Berlin über die Herausforderungen diskutiert, die NGOs und NPOs im Web 2.0 bewältigen müssen. PR-Consulter Wilfried Seywald betonte in der Eröffnung, soziale Netzwerke seien per se “nicht-gewinnorientiert”. Sie tragen dazu bei, Engagement sichtbar zu machen. Soziale Netzwerke bieten Raum für Teilhabe und politische Einmischung, ja eine neue “Qualität in der öffentlichen Diskussion”, allerdings dürften die Ressourcen nicht unterschätzt werden, die dafür nötig sind.

(Quelle: social-up.com)

Seywald erinnerte daran, dass gute Beziehungen Sympathien bringen, aber gerade deshalb in einem hohen Ausmaß auch gepflegt werden müssen. Nur so kann das Vertrauen aufgebaut werden, das eine Community zusammen hält. Mit einem weiteren Missverständnis räumte Seywald in seiner Eröffnung auf: “Social Medias tragen wohl zur öffentlichen Meinungsbildung bei, aber echte politische Einflussnahme passiert anderswo.” Soziale Netzwerke seien so gewissenmaßen eine “unsichtbare Macht”.

Der Blogger Markus Beckedahl von netzpolitik.org erläuterte in seinem Beitrag anhand zahlreicher Beispiele, wie man mit geschickter Provokation im Internet enorme Reichweiten erzielen kann. NPOs müssten als Medien agieren, um sich Gehör zu verschaffen. Um die Vorteile der Netzwerke nutzen zu können, sollten sich NPOs zudem als Knotenpunkte begreifen und bestehende Top-Down-Strukturen abbauen. “Soziale Kanäle verlangen Transparenz. Dazu gehört generell eine offenere Kommunikationspolitik.”

Auch für den Netzwerker Alexander Wolf ist die Social-Media-Revolution für nichtgewinnorientierte Organisationen eine Riesenchance. Über die neuen Kanäle können auch ohne große Marketing-Budgets erfolgreiche Kampagnen gefahren werden. Allerdings besteht die Gefahr, dass die PR-Abteilungen, die oft nur aus einer Person bestehen, von der Kommunikationsflut überfordert werden. “So kann Erfolg auch Organisationen umbringen”, erläuterte Wolf.

Für Wolfgang Ruber von Kornberger und Partner gelten in der Social-Media-Kommunikation für NPOs grundsätzlich dieselben Bedingungen wie für profitorientierte Unternehmen. “Es müssen die gleichen Anforderungen erfüllt werden, allerdings mit weniger Geld, spärlicheren Ressourcen und einer kleineren Zahl an Kommunikationsprofis. Dazu müssen die Organisationsstrukturen flacher und offener sein. Die Verantwortlichen müssen auch bereit sein, die Kontrolle ein Stück weit aus der Hand zu geben”, sagt Ruber.

Die sozialen Medien dienen Non-Profit-Organisationen hauptsächlich, um den Kontakt zu den Menschen herzustellen, die ihre Anliegen unterstützen. “Als klassischer Spendenkanal eignen sich die Netzwerke nicht. Es geht eher um das Kontakteknüpfen zu neuen Zielgruppen. Im deutschsprachigen Raum haben Organisationen ja ein massives Problem mit der Überalterung ihrer Spender. Über soziale Medien lassen sich junge Menschen – das heißt in diesem Zusammenhang unter 50-Jährige – ansprechen”, erklärte Florian Nöll von Spendino.

Indirekt können sich aus neuen Kontakten sehr wohl neue Spender ergeben. Das ist laut den Experten aber ein langwieriger Prozess. Um die Kontakte zu pflegen, reicht es deshalb nicht aus, online Präsenz zu zeigen. “Echtes Vertrauen entsteht vor allem durch persönliche Kommunikation. Das ist zwar aufwendig, aber unverzichtbar. Nur mit einem Mix aus wohlportionierter Online-Kommunikation und persönlichen Kontakten außerhalb des Internets können Non-Profit-Organisationen daher Erfolg haben”, unterstreicht Wolf.

(Sonja Knappitsch/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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