Das steckt hinter Googles Phantom Update

20.05.2015, 14:40

Core-Algorithmus

Anfang Mai rollte Google sein Phantom Update aus. Eine transparente Darstellung der Änderungen am Core-Algorithmus gibt es nicht, Seiten gewinnen oder verlieren scheinbar wahllos an Sichtbarkeit.

Das steckt hinter Googles Phantom Update

(Quelle: Fotolia/atScene)

Während Google sein großes Mobile Update Ende April 2015 bereits Monate vorher groß ankündigte, hüllte sich der Internet-Riese bei seinen aktuellen Änderungen am Core-Algorithmus, dem Herzstück aller Ranking-Algorithmen, in Schweigen. Eine transparente Darstellung der veränderten Ranking-Faktoren gibt es nicht; wie und warum das “Phantom-Update” ausgespielt wurde, ist unklar.
Dass es allerdings Änderungen am Core-Algorithmus gab, bestätigte Google auf der Fachkonferenz SMX Sydney 2015. “Wir haben einiges am Core Algorithmus verändert, Dinge die geheim sind und die wir nicht kommunizieren. Das hat aber nichts mit dem Mobile Update zu tun”, so Gary Illyes, Google Webmaster Trends Analyst.

Gewinner- und Verlierer-Domains
Der Einfluss des neuen Updates war jedoch für Webseitenbetreiber weltweit spürbar. Scheinbar wahllos verloren und gewannen große, mittlere und kleine Seiten an Sichtbarkeit. Allein in der Kalenderwoche des 04. Mai 2015 auf den 11. Mai 2015 haben laut Sistrix viele Domains zwischen 20 und 60 Prozent ihrer Sichtbarkeit verloren. Der Seo-Tool-Anbieter hat dazu eine Auswahl an vermutlichen Gewinner- und Verlierer-Domains erstellt.

Negativ betroffen sind demnach kleine und mittlere Seiten, Infoseiten und Ratgeber sowie redaktionell geführte Portale. Mehr als 30 Prozent im Sistrix Sichtbarkeitsindex haben etwa redaktionell geführte Portale wie etwa auto-motor-und-sport.de sowie Ratgeber-Seiten wie brillen-sehhilfen.de verloren. Das ist laut Sistrix nicht auf ein einzelnes Verzeichnis zurückzuführen. Das Google Core Update bewertet möglicherweise eine Domain als Ganzes neu.

Zu den Gewinner-Domains zählen Kategorie- und Beratungs-Verzeichnisse und große Marken: Der Onlineshop für Computerelektronik, computeruniverse.net, gewann zum Zeitpunkt des Google Phantom Updates etwa mehr als 25 Prozent im Sistrix Sichtbarkeitsindex. Da hier lediglich das Kaufberatungs- sowie die Kategorien-Verzeichnisse der einzelnen Produktgruppen gewonnen haben, scheint in diesem Falle eine gezielte Neubewertung stattgefunden zu haben, mutmaßt Sistrix. Auch Obi konnte deutlich profitieren und knapp 30 Prozent an Sichtbarkeit gewinnen. Bei einer Stichprobe haben zudem auffällig viele große (Marken)-Domains zum Zeitpunkt des Core-Algorithmus Update an Sichtbarkeit gewonnen, darunter focus.de, brigitte.de oder check24.de.

Unique Content wird honoriert
Auch das SEO-Team von eprofessional hat bei der täglichen Arbeit im Sistrix-SEO-Tool Webseiten festgestellt, die seit der letzten Datenerhebung teils beachtlich an Sichtbarkeit gewonnen oder stark verloren haben. Das sind vor allem um Blogs und Content-Portale. Einige Beispiele:


Gewinner und Verlierer

(Quelle: eprofessional)

Unter den beobachteten Webseiten sind sowohl klassische News-Magazine wie auch Blogs und Portale mit User-Generated-Content vorhanden. Eine pauschal Antwort, welche Art von Content nun besser oder schlechter funktioniert, gibt es nicht. Auffällig ist jedoch, dass vor allem professionelle und singuläre redaktionelle Inhalte am stärksten zugelegt haben.

“Die neuesten Entwicklungen legen nahe, dass Unique Content mit echtem Mehrwert für seine Leserschaft von Google honoriert wird – und das laut den vorliegenden Werten nicht zu knapp”, meint Patrick Lindner, redaktionelle Leitung bei eprofessional. “Die identifizierten Schwankungen lassen vermuten, dass Website-Betreiber Google nur noch mit eigenem Content überzeugen können, mit Content, der die Erwartungen der Suchmaschinennutzer in optimaler Form abfängt.”

Vor gut zwei Wochen hat Google sein neustes Mobile-Update ausgerollt. Ob die zehn beliebtesten Lebensmittelshops mit Ranking- und Traffic-Verlusten abgestraft wurden, zeigt eine Analyse.

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Modevorhersagen auf Basis von Google-Daten

27.04.2015, 12:11

Fashion Trends

Google wird Mode-Scout. Das Unternehmen will in Zukunft regelmäßig Modetrends veröffentlichen, denn aus den Suchanfragen in seiner Suchmaschine lässt sich das Modeinteresse der Internetuser ablesen.

Modevorhersagen auf Basis von Google-Daten

(Quelle: shutterstock.com/conrado)

Die Suchanfragen als Trendprognose – das klingt logisch und wird nun etwas, das Google für den Bereich Fashion zweimal jährlich zur Verfügung stellen will. Auf der Basis aller Suchanfragen im Bereich Mode stellt das Unternehmen Fashion Trends zusammen.

Dazu kategorisiert Google zunächst die Suchanfragen aus dem Bereich Mode. Dabei kann das Unternehmen bereits sortieren, welche Trends im Kommen sind, und welche sich bereits im Abklang befinden. Geografische Daten und das weitere Suchverhalten der Nutzer – zum Beispiel Wörter und Ausdrücke, die im Zusammenhang mit einer Modesuche auftreten – erlauben Google Rückschlüsse auf die heißesten Trends.

Die Trend Reports könnten zwar ein Indikator für das allgemeine Kundeninteresse werden, eine Schwäche dürfte jedoch sein, dass in den einbezogenen Suchdaten nicht berücksichtigt wird, ob einer Suchanfrage auch ein Kauf folgte, oder ob es sich beispielsweise um Definitionsanfragen handelte. Den ersten Fashion Trend Report für die USA stellt Google jetzt seinen Kunden kostenlos zur Verfügung.

Wenn es um Shopping geht, suchen immer mehr Nutzer mobil. Eine Studie ergab kürzlich, dass neun von zehn Google-Usern regelmäßig mit ihrem Smartphone nach lokalen Angeboten suchen.

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Yahoo und Microsoft kooperieren weiterhin

17.04.2015, 10:47

Microsoft und Yahoo hatten es bis zuletzt spannend gemacht: Wird die Suchpartnerschaft fortgesetzt oder nicht? Nun ist es offiziell: Ja, es geht weiter. Doch mit einigen deutlichen Änderungen.

Yahoo und Microsoft kooperieren weiterhin

(Quelle: Shutterstock.com/Ken Wolter)

Die Search-Allianz zwischen Microsoft und Yahoo besteht weiterhin. Die beiden Unternehmen haben sich auf neue Konditionen ihrer Kooperation in Sachen Suche und Suchmaschinenmarketing geeinigt. Dabei bleibt der Kern der Vereinbarung bestehen: Für die Desktop-Suche nutzt Yahoo auch künftig Bings Anzeigen, und Microsoft stellt die Technik für die Yahoo-Suche zur Verfügung. Doch ein paar Änderungen bringen durchaus auch signifikante Weiterentwicklungsmöglichkeiten.

“In den vergangenen Monaten haben Satya (Microsoft-CEO, Anm. d. Red.) und ich eng bei der Etablierung einer überarbeiteten Search-Vereinbarung zusammengearbeitet, die uns erlaubt, das Nutzererlebnis aufzuwerten und den Bereich Search innovativ weiterzuentwickeln”, so Yahoo-CEO Marissa Mayer in der Pressemitteilung zur Search-Partnerschaft. “Die erneuerte Vereinbarung eröffnet uns interessante Weiterentwicklungsmöglichkeiten in unserer Partnerschaft.”

Die Änderungen am ursprünglich 2006 abgeschlossenen Deal geben Yahoo künftig mehr Flexibilität, denn der Konzern muss nicht mehr den gesamten Traffic von Bing übernehmen: Nach der neuen Vereinbarung muss Yahoo mindestens 51 Prozent von Bing beziehen. Das lässt 49 Prozent offen für die Monetarisierung über eigene Anzeigenprogramme – oder durch andere Search Provider wie Google.

Auch bei den Ad Sales gibt es Änderungen. In der Vergangenheit hatte Yahoo auch den Verkauf der Bing-Ads organisiert. Dieser wird in den kommenden Monaten an Microsoft zurückgegeben. Für beide Unternehmen dürften daher personelle Änderungen in den Sales-Abteilungen anstehen.

Der bisherige, 2010 geschlossene Search-Deal war im Februar 2015 ausgelaufen. Die beiden US-Konzerne hatten die Verhandlungszeit über eine Verlängerung der Partnerschaft anschließend auf 60 zusätzliche Tage ausgeweitet.

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Google soll an neuer Targeting-Option arbeiten

15.04.2015, 12:27

Ads für bestehende Kunden

Google soll daran arbeiten, eine neue Targeting-Option für Anzeigen in der Google-Suche herauszubringen. Nutzer könnten dabei auf Basis ihrer E-Mail-Adresse als Zielgruppe identifiziert werden.

Google soll an neuer Targeting-Option arbeiten

(Quelle: Shutterstock.com/nasirkhan)

Die E-Mail eines Nutzers als Targeting-Option ist nichts Neues. Bei Facebook gibt es schon seit 2012 die so genannten “Custom Audiences”, bei denen Werbung an User ausgeliefert wird, die in der Kundenkartei der Werbekunden auftauchen. Google will nun ein ähnliches Konzept herausbringen, berichtet das Wall Street Journal.

Werbeanzeigen in den Google-Suchergebnissen könnten dann existierenden Kunden der jeweiligen Advertiser eingespielt werden. Dazu müssten die Werbekunden entsprechende Kundeninformationen an Google weiterreichen, damit die Daten abgeglichen und die zielgenaue Auslieferung von Anzeigen an existierende Kunden umgesetzt werden kann.

Google soll nach Insider-Informationen bereits Ende des laufenden oder Anfang nächsten Jahres eine entsprechendeTargeting-Option einführen. Vermutlich will das Unternehmen dabei auf die vorliegenden Gmail-Adressen oder hinterlegten Sekundär-E-Mails von Internetnutzern zurückgreifen, die mit der Kundenkartei der Werbekunden abgeglichen werden.

Auch eine weitere Idee von Facebook will Google laut Insidern aufgreifen: Beim Lookalike-Targeting liefert Facebook Ads an Zielgruppen aus, deren Mitglieder aufgrund ihres Alters, Geschlechts oder ihrer Interessen Ähnlichkeit mit den existierenden Kunden eines Advertisers aufweisen. Das Targeting von Nutzern, die die Webseite der Advertiser bereits besucht haben, gibt es schon bei Google.

In Europa sieht Google übrigens möglicherweise einem Wettbewerbsverfahren entgegen, das die EU-Kommission gegen das Internetunternehmen einleiten will, so die Wirtschaftswoche. Dabei geht es wieder einmal um die Problematik von Googles Übermachtstellung im Internet, die den europäischen Kartellwächtern ein Dorn im Auge ist.

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Amazon Marketplace: Suchtgefahr für Händler?

19.03.2015, 10:05

Online-Marktplatz

Für Hersteller ist der Marketplace mit Vorsicht zu genießen: Er wird immer mehr zur Suchmaschine, lässt Einnahmen schnell wachsen – und kann abhängig machen.

Amazon Marketplace: Suchtgefahr für Händler?

(Quelle: shutterstock.com/Chuckcha)

Einkaufsmacht in Zahlen: Weltweit 270 Millionen Verbraucher sind bei Amazon registriert. In Deutschland besuchten im Oktober 2014 knapp 25 Millionen Nutzer Amazon Marketplace.

Von der Windel bis zum Kaugummi, vom Abendkleid bis zum Zirkel – hier finden sich mehr als zwei Milliarden Produkte.

Etwa zwei Millionen Hersteller und Händler nutzen den Amazon Marketplace als Verkaufskanal. Und in den USA starten 39 Prozent den Einkauf mit einer Suche bei der Produktsuchmaschine.

Amazon verführt die Hersteller durch Vielfalt und Reichweite – das birgt Sucht­potenzial: “Wer erfolgreich bei Amazon verkauft, realisiert schnell zweistellige Millionensummen”, beobachtet Marcus Diekmann, Geschäftsführer von E-Commerce-Analyst Shopmacher. “Danach fällt es schwer, wieder auf Amazon zu verzichten.”

Wachsende Abhängigkeit durch den Marketplace

Die wachsende Abhängigkeit nutzt Amazon aus. Nach den Verlagen beklagen sich jetzt zunehmend Hersteller, Amazon verlange hohe Einkaufsrabatte. Der Wettbewerb auf dem Amazon Marketplace verschärfe außerdem den Preisdruck – und das nicht nicht nur online, weil der stationäre Handel nachziehe. Nicht umsonst sieht Masami Yamamoto, Chef des Technologiekonzerns Fujitsu, Amazon als “Gefahr für das eigene Geschäft”.

Handelsforscher Gerrit Heinemann, Professor an der Hochschule Niederrhein, beklagt die mangelnde Vorsicht: “Amazon birgt Risiken.” Olaf Rotax, Geschäftsführer der Hamburger D-Group, warnt ebenfalls vor Gefahren: “Viele Hersteller sehen nur die kurzfristigen Chancen, betrachten Amazon nicht strategisch und verkennen die Risiken.”

Er rät: “Hersteller sollten auf den substanziellen Umsatzbringer nicht verzichten, aber daneben in weitere Partner investieren.”

Alles anbieten und verkaufen

Amazon ist getrieben von seiner eigenen Verkaufsstrategie: Als Marktplatzbetreiber tritt das Unternehmen auch selbst als Händler auf und lässt sich ausschließlich von Kundenwünschen treiben. Amazon will zum “Shop for Everything” werden und Verbrauchern das breiteste Sortiment, günstige Preise und einen komfortablen Einkauf bieten.

Dafür werden Händler und Hersteller zuerst durch gute Konditionen sowie praktische Services auf den Amazon Marketplace gelockt. Vom Hosting des Shops über Logistikdienstleistungen bis zur Abwicklung von Rechnungen und Retouren übernimmt Amazon fast alle Aufgaben eines Händlers im Backend.

Die Strategie geht auf: Vielfalt bindet einerseits Konsumenten. Andererseits sichert sich Amazon die Kontrolle über die Servicequalität – und verbessert sie laufend. Der Konzern investiert stetig in Logistik, Technik, auch in Lieferdienste – allein 2014 rund 20 Milliarden US-Dollar. Bei Umsätzen von fast 90 Milliarden Dollar geriet Amazon dadurch zwar in die roten Zahlen und wies einen Verlust von 241 Millionen US-Dollar aus,

Durch Service erhöht Amazon unter Kunden wie Herstellern die Sucht nach dem Marktplatz – und konzentriert so immer mehr Marktmacht. Beispiel Deutschland: Amazon setzte 2014 hier 10,8 Milliarden Euro um. Dazu addieren sich noch die Erlöse von rund 40.000 Anbietern auf dem Marktplatz, die sich nach Angaben des Berliner Start-ups Marketplace Analytics auf bis zu elf Milliarden Euro belaufen. Folglich steht Amazon heute in Deutschland für rund 22 Milliarden Euro E-Commerce-Umsatz – das sind mehr als 56 Prozent.

Marktmacht aufbauen – Konditionen diktieren

Wer sich als Hersteller auf Amazon verlässt, kann seinen Kunden zwar eine ­Menge Service bieten, muss aber mit hartem Gegenwind rechnen: zuallererst von Amazon als Händler. “Weniger bekannte Marken, die erfolgreich auf dem Marktplatz verkaufen, laufen Gefahr, dass Amazon ­Ersatzprodukte importiert und anbietet”, sagt Berater Diekmann. Das Risiko ist bei Alltagsprodukten besonders hoch.

Sporthändler Philipp Puttkammer berichtet im Buch “Amazon – die Millionärsfabrik“, wie der Marktplatzbetreiber seinen Nordic-Walking-Stöcken, Schuhspikes und Slacklines eigene Angebote entgegenstellte: “Gute Deals mit Lieferanten abschließen, ist der Job von Einkäufern”, sagt Puttkammer, “Amazon will möglichst ­viele gefragte Produkte führen.” Er hat sich mit dem Konkurrenten abgefunden und versucht, vorhandene Lücken bei Sportgeräten zu füllen.

Marken indes werden auf dem Amazon Marketplace gleich mehrfach in die Zange genommen: Kann Amazon als Händler große Mengen ihrer Waren absetzen, müssen sie sich auf Dauer beim Aushandeln von Rabatten warm anziehen. “Seit zwei Jahren wächst der Konditionendruck sehr stark”, stellt Marcus Fost, Geschäftsführer von Fostec Commerce Consultants, fest.

“Vorher ­waren Konditionen nicht so wichtig, weil Amazon in vielen Ländern und Segmenten Kategorien und Reichweite aufbaute.” Gegenwärtig steigt der Druck besonders bei Elektronik, Werkzeugen, Haushaltswaren sowie bei Möbeln.

Alternativen schaffen

Gut, wer vorausschauend agiert und rechtzeitig nach Alternativen sucht. “Eine ausgewogene E-Commerce-Strategie von Herstellern”, erläutert Rotax, “besteht aus eigenem Online-Geschäft, Kooperationen mit Pure Playern, Multichannel-Händlern und regionalen Spezialisten.”

Immerhin: Für viele Wünsche gehen die Kunden noch in die Geschäfte, Einzelhändler bieten Online-Bestellung, Reservierungs- oder Lieferservices und machen Marken online sichtbar. Ebay oder T-Mall sind internationale Größen, Online-Shops oder regionale Spezialisten reduzieren Abhängigkeiten.

Den Marken droht auch ein Preisverfall, weil weitere Händler ihre Waren auf dem Amazon Marketplace verkaufen: “Dann nähert sich die Preisentwicklung dem Einkaufspreis an”, sagt Alexander Graf, Betreiber des E-Commerce-Blogs Kassenzone.de. Die Vergleichbarkeit der ­Angebote setzt eine Spirale in Gang. Um sich ­Vorteile zu verschaffen, senken die Händler die Preise. Dabei ist Amazon selten Treiber, im Gegenteil – das Unternehmen befindet sich beim Preis oft im Mittelfeld.

Wollen sie den Preisdruck mindern, müssen Hersteller den Wettbewerb auf Amazon Marketplace eindämmen und mit ihren Partnern neu verhandeln. “Selektive Vertriebssysteme sind sicher schwer einzurichten, aber möglich”, rät Heinemann. “Es heißt nicht ohne Grund ,Vertragshändler‘”.

Graf fordert darüber hinaus eine Neubewertung der Plattform: “Amazon ist kein klassischer Handelspartner wie Metro oder Großhändler”, sagt er. “Amazon ist ein Marktplatzsystem – wie Google; stark automatisiert und von Algorithmen getrieben.”

Der Marktplatz sollte wie eine Suchmaschine mit optimierten Inhalten gefüttert werden, sollen darauf Angebote sichtbar werden und auf den Spitzenplätzen platziert sein.

Für Kunden erhöht Amazon den Suchtfaktor, in dem das Unternehmen ständig Marktplatz­daten auswertet: um sich selbst als Anbieter zu positionieren, aber auch, um die besten Angebote in den sogenannten Buy-Boxen unter dem Warenkorb zu stellen, auf die viele Käufer klicken. Wer diese Spitzenplätze bekommt, entscheidet ein Algorithmus – und der wird bestens gehütet.

Amazon Marketplace erfordert Optimierung

Streit ist programmiert: Als Betreiber des Marktplatzes bestimmt Amazon den ­Algorithmus für die beste Platzierung, von der das Unternehmen als Händler selbst profitiert. Wer stellt sicher, dass Amazon sich nicht selbst bevorzugt? “Da besteht Poten­zial für einen Interessenkonflikt”, sagt Franz Jordan, Mitgründer von Marketplace Analytics. “Für einen funktionierenden Marktplatz ist es entscheidend, Käufer und Anbieter zufriedenzustellen.”

Solange der Konflikt schwelt, heißt es für Hersteller, Amazon mit den eigenen Waffen zu schlagen: ständig das Geschehen zu beobachten, Daten auszuwerten und die Produktbeschreibungen so zu optimieren, dass der Platz in der Buy-Box möglichst oft sicher ist. Dabei ist auf Keywords, Fotos, Texte sowie die Konditionen beim Kauf zu achten. “Amazon lässt sich genauso beeinflussen wie Google”, macht Graf Mut.

Alternativen suchen, sich dem Wett­bewerb mit anderen Anbietern stellen, Warenbeschreibungen optimieren: Wer die wachsende Marktdominanz und auch die Systematik des Marktplatzes begreift, kann sich gegen die Sucht wehren.

Und er wird bald erkennen, dass der Verkauf auf dem Amazon Marketplace längst keine Aufgabe mehr allein für Vertriebsmitarbeiter ist, sondern zur Chefsache werden sollte und in die strategischen Vorgaben des Unternehmens gehört.

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Gehört werden im SEO-Lärm

18.03.2015, 10:37

SMX 2015

Je mehr Unternehmen ins Suchmaschinenmarketing investieren, umso schwieriger wird es, sich von der Masse abzuheben. Rand Fishkin gab auf der SMX 2015 Tipps, wie das gelingt.

MOZ-Gründer Rand Fishkin

MOZ-Gründer Rand Fishkin
(Quelle: Moz.com)

Die Aufmerksamkeit des Nutzers zu gewinnen gehört zu den größten Herausforderungen überhaupt. Wie schafft man es, im Lärm der Masse nicht unterzugehen und gehört zu werden? Darüber sprach MOZ-Gründer Rand Fishkin in seiner Präsentation auf der SEO-Messe Search Marketing Expo (SMX) in München.

Um aufzufallen, sei es wichtig, Wege zu gehen, die noch nicht alle anderen gegangen sind. Dazu gehöre es zum Beispiel, in Formate zu investieren, die andere vermeiden. “Je einfacher Inhalte geschaffen werden können, desto schwieriger ist es, damit aufzufallen”, so Fishkin. Bilder können ein wichtiges Mittel zum Erfolg sein: Die am schnellsten wachsenden sozialen Plattformen – Pinterest, Tumblr und Instagram – basieren auf Bildern. Umso wichtiger sei es, dass die Bilder übersichtlich und informativ gemacht sind und nicht “borporate” (Mischform aus boring und corporate).

Zudem sei es wichtig, neue Formate früh zu übernehmen, während die Konkurrenz noch schläft. Werbung auf Facebook habe inzwischen einen Sättigungsgrad erreicht, so Fishkin, auf Portalen wie Instagram oder Pinterest dagegen noch nicht. Auch mit einer Mobile-First-Strategie könne man sich noch von der Masse abheben, während mobil-optimiert schon heute Standard ist. Lohnenswert könne außerdem sein, früh auf bestimmte Keywords zu setzen, bevor sie populär sind.

Und last but not least: Die Investition in die eigene Marke. “In Zukunft könnte Markenwerbung ein Teil davon sein, wie SEO-Kampagnen gemacht werden”.

Mit SEO wird der Webshop nicht nur für Besucher, sondern auch für Google attraktiv. Fünf Tipps für die Optimierung der Shop-Webseite.

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Amazon startet Shop für innovative Produkte

12.03.2015, 11:36

Exclusives

Amazon hat einen Shop für innovative Produkte von beliebten Marken gelauncht. Auf “Amazon Exclusives” sollen ausschließlich Waren verkauft werden, die es sonst nirgendwo zu bestellen gibt.

Amazon startet Shop für innovative Produkte

(Quelle: Amazon.com)

Online-Shop im Online-Shop: Amazon hat auf seinem US-Marktplatz einen Shop für innovative Produkte von populären und aufstrebenden Brands gestartet.

“Amazon Exclusives” will Unternehmen in den Vordergrund rücken, die ihre Artikel sonst nur über den eigenen Online-Shop oder stationär verkaufen. Marktplatz-Händlern steht der Bereich nicht offen.

Aktuell ist die Auswahl noch recht dürftig, es gibt vor allem elektronische Accessoires, wie Ladegeräte für Smartphones oder Handschuh mit LED-Beleuchtung sowie Spielzeug oder Sportausrüstung. Ob es den Store auch in Deutschland geben wird ist noch nicht bekannt.

Vom Abendkleid bis zum Zirkel – auf Amazon finden sich aktuell rund zwei Milliarden Produkte. Fast 40 Prozent der US-Verbraucher starten den Kauf bei Amazon. Der Marktplatz wird zur Suchmaschine und vergibt Spitzenplätze nach geheimen Algorithmen – von denen Amazon selbst profitieren kann.

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Amazon: Marktplatz und Suchmaschine

12.03.2015, 8:16

Geheime Algorithmen

Fast 40 Prozent der US-Verbraucher starten den Kauf bei Amazon. Der Marktplatz wird zur Suchmaschine und vergibt Spitzenplätze nach geheimen Algorithmen – von denen Amazon selbst profitieren kann.

Picking im Amazon-Lager

(Quelle: Amazon)

Vom Abendkleid bis zum Zirkel – auf Amazon finden sich aktuell rund zwei Milliarden Produkte. 270 Millionen Verbraucher haben sich dort registriert und bestellen regelmäßig. Viele von ihnen starten hier ihren Einkauf.

Laut Forrester Research suchen in den USA 39 Prozent der Käufer bei Amazon nach Produkten. “Amazon ist ein Marktplatzsystem, das wie Google stark automatisiert ist und von Algorithmen getrieben wird”, stellt Alexander Graf, Blogger von Kassenzone.de und Geschäftsführer von Spryker.com, fest.

Wie Google vergibt Amazon die Spitzenplätze der Suchergebnisse in den viel geklickten Buy-Boxen unter den Warenkörben automatisiert per Algorithmus. Konflikte sind programmiert, denn Amazon ist nicht nur Betreiber von Marktplatz oder Suchmaschine, sondern agiert dort auch als Händler. Amazon könnte also die eigenen Angebote beim Ranking bevorzugen.

“Grundsätzlich besteht ein Interessenskonflikt, weil Amazon Plattform und zugleich Händler auf dem Marktplatz ist”, bestätigt Franz Jordan, Mitgründer von Marketplace Analytics, einem Berliner Start-up das sich mit den Marktplatzdaten von Amazon beschäftigt und ein Analysetool zum Optimieren von Produktbeschreibungen entwickelt hat.

“Für einen funktionierenden Marktplatz ist es entscheidend, Käufer und Anbieter zufrieden zu stellen”.

Marktmacht wächst weiter

Wer auf den besten Plätzen in den Buy-Boxen steht, wird im Geheimen ausgelotet. Amazon gibt den Algorithmus nicht preis. Laut Jordan reagiert die automatische Vergabe auf Keywords, Inhalte der Produktbeschreibung sowie Kaufangaben wie Preis oder Lieferzeit.

“Für Google ist es schwieriger zu messen, ob eine Produktsuche zu einem Kauf geführt hat”, erklärt Jordan. “Amazon hingegen hat volle Transparenz und ist deshalb auch nicht zu manipulieren, es muss um die Optimierung der Produktbeschreibungen gehen”.

Abzusehen ist, dass Amazons Geheimniskrämerei in Zukunft Gerichte beschäftigen wird. Zumal das Unternehmen als “Shop for Everything” seine Dominanz überall weiter ausbaut. Beispiel Deutschland: Hier hat Amazon 2014 laut Geschäftsbericht 10,8 Milliarden Euro Umsatz erzielt.

Das wären 28 Prozent der E-Commerce-Erlöse, die der Handelsverband HDE für das geiche Jahr mit 39 Milliarden angibt. Doch als Marktmacht ist Amazon viel größer: Marketplace Analytics beziffert die Zahl der Amazon-Anbieter in Deutschland auf 40.000, die 2014 bis zu elf Milliarden Euro Einnahmen über den Amazon-Marktplatz erwirtschaftet haben.

Zu den 10,8 Milliarden Euro Umsatz von Amazon addiert ergeben sich also rund 22 Millarden E-Commerce-Umsatz in Deutschland, die über Amazon erzielt werden. Und diese machen mehr als 56 Prozent der gesamten E-Commerce-Erlöse in Deutschland aus.

Auch für alle Shopbetreiber gibt es Neues: Shopbetreiber, die auf dem internationalen Amazon-Marktplatz verkaufen, müssen ab dem 12. März 2015 neue Richtlinien für Retouren akzeptieren. Andernfalls droht ihnen der Verlust der Verkaufslizenz.

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Yahoo Suchmaschine rückt näher an Google ran

28.01.2015, 9:12

Marktreport

Durch die Partnerschaft der Yahoo Suchmaschine mit dem Firefox-Browser von Mozilla, büßt Google 2014 zum ersten Mal Marktanteile gegenüber dem Konkurrenten in den USA ein.

Yahoo Suchmaschine rückt näher an Google ran

(Quelle: shutterstock/Ken Wolter)

Laut Yahoo-Chefin Marissa Mayer ist es die bedeutendste Partnerschaft, die das Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren eingegangen ist: Seit November 2014 ist im Firefox-Browser für US-Nutzer nicht mehr Google, sondern die Yahoo-Suchmaschine als Standard vor­eingestellt. Jetzt zeigt die Partnerschaft mit Mozilla erste Auswirkungen, wie Zahlen von Statcounter belegen.

Hatte Google in den USA im November noch einen Marktanteil von 77,3 Prozent, fiel der Wert im Dezember des gleichen Jahres auf 75,2 Prozent. Das ist zwar nur ein Minus von zwei Prozentpunkten – dennoch der schlechteste Wert für Google seit 2008.

Die Yahoo Suchmaschine hingegen verzeichnete mit 10,4 Prozent einen Suchanteil, der seit fünf Jahren nicht mehr so hoch war. ­Mozillas Kooperation mit Yahoo ist auf fünf Jahre angelegt und erstreckt sich auf den Desktop- und den Mobile-Browser.

In den wichtigen Märkten Russland und China arbeitet Mozilla inzwischen ebenfalls nicht mehr mit Google, sondern mit den lokalen Anbietern Yandex und Baidu zusammen. Mit Yahoo löst sich Mozilla nun auch im US-Suchmaschinenmarkt aus der finanziellen Abhängigkeit von Google, dem einst wichtigsten Geldgeber.

Allein 2012 erhielt das Unternehmen mit 280 Millionen US-Dollar 90 Prozent seiner Einnahmen von Google. Wie nachhaltig die Neuverteilung der Marktanteile wirklich ist, wird auch davon abhängen, ob die Firefox-User nicht bald zur gewohnten Google-Suche zurückwechseln.

Google setzt auf Bewegtbild

Um für Werbungtreibende weiter attraktiv zu bleiben, setzt Google auf den Treiber Bewegtbild: Das Unternehmen misst künftig, ob Video-Anzeigen auch vom Nutzer gesehen wurden. Das betrifft der Definition des Branchenverbands Interactive Advertising Bureau (IAB) nach alle Spots, bei denen die Hälfte des Videos mindestens zwei Sekunden im sichtbaren Bereich angezeigt wurde.

Die Daten stehen allen Werbungtreibenden und Publishern zur Verfügung, die Kunden des Tochterunternehmens Doubleclick sind. Künftig sollen die Infos auch für Youtube-Werbung auf PC und Smartphone angegeben werden.

Eine Abrechnung nach der Anzahl der gesehenen Spots sei ebenfalls geplant, so Neal Mohan, bei Google Vice President für Video- und Display-Werbung. Im Lauf des Jahres will der Konzern seinen Geschäftspartnern auch mitteilen, wie lange ein Clip sichtbar war und ob der Ton abgespielt wurde.

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Neue Anteilseigner für Kimeta

27.01.2015, 11:01

Job-Suchmaschine

Der High-Tech Gründerfonds verkauft nach neun Jahren seine Anteile an Kimeta. Künftig ist die Job-Suchmaschine damit in der Hand von neun Verlagen, darunter sind sechs neue Investoren.

(Quelle: Fotolia.com/Marco2811)

Neue Anteilseigner für Kimeta: Die sechs Verlage Nürnberger Presse, Verlagsgruppe Rhein Main (VRM), Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung, Mediengruppe Badische Zeitung, NWZ Mediengruppe und Schwäbisch Media steigen bei der Job-Suchmaschine ein. Das berichtet Gründerszene.de.

Die sechs Neueinsteiger übernehmen damit zusammen mit den Alt-Investoren Madsack, Mannheimer Morgen und Heilbronner Stimme die Mehrheit an dem Online-Portal und kontrollieren zusammen etwa 55 Prozent von Kimeta. Andere bisherige Finanzinvestoren, zu denen etwa der High-Tech Gründerfonds (HTGF) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zählen, geben ihre Kimeta-Anteile dagegen nach neun Jahren ab.

Kimeta ging 2005 an den Start und durchsucht – ähnlich dem Google-Prinzip – als Job-Suchmaschine Unternehmens- und Stellenportale nach passenden regionalen Angeboten. Aktuell können Nutzer auf über 1,7 Millionen Stellenanzeigen zugreifen. Die Suchergebnisse filtert Kimeta nach qualitativen Kriterien und Aktualität. Das Portal unterstützt zudem Unternehmen mit speziellen Angeboten im Online-Recruiting. Die Beteiligung der sechs Verlage steht noch vorbehaltlich unter der Zustimmung des Bundeskartellamts.

Wie stark der Online-Stellenmarkt im Moment an Attraktivität gewinnt, zeigt unter anderem das Beispiel Xing. Das Business-Portal gehört neben indeed.com oder Jobworld zu den größten Konkurrenten von Kimeta und hatte erst am vergangenen Freitag die Plattform Jobbörse.com für zunächst 6,3 Millionen Euro übernommen. Zudem ist gerade das neue Karriereportal 4scotty.com gestartet: Über die Plattform sollen sich Unternehmen bei IT-Fachkräften um deren Dienste bewerben.

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