Offsetdruck – Der umfassende Gesamtüberblick

19.01.17, 15:30

Alles Wissenswerte zum Flachdruckverfahren


  1. Die Geschichte des Offsetdrucks
  2. Wie funktioniert Offsetdruck und was ist zu beachten?
  3. Der Unterschied zwischen Bogen- und Rollenoffset
  4. Merkmale und Besonderheiten des Offsetdrucks
  5. Sonderformen im Offsetdruck


Der Offsetdruck ist ein indirektes Flachdruckverfahren und basiert auf dem Prinzip der Abstoßung von Wasser und Öl. Dieses Druckverfahren ermöglicht eine schnelle Vervielfältigung von Printmedien in hoher Qualität und ist heute mit ungefähr 60% das meist genutzte Verfahren in der Druckbranche.

Grafik zum Prinzip Flachdruck - Offset-Druckverfahren
Flachdruck

Neben dem Flachdruckverfahren unterscheidet man außerdem in Hochdruck, Tiefdruck, Durchdruck und Digitaldruck.

Grafik zum Druckverfahren-Prinzip Hochdruck
Hochdruck (Stempeldruck)
Grafik zum Druckverfahren-Prinzip Tiefdruck
Tiefdruck (Rakeltiefdruck)
Grafik zum Druckverfahren Prinzip Durchdruck - Siebdruck
Durchdruck (Siebdruck)

Der Digitaldruck ist das einzige Druckverfahren, bei dem das Druckbild direkt vom Computer an die Druckmaschine geschickt und ohne statische Druckform gedruckt wird.


1. Die Geschichte des Offsetdrucks

Das moderne Offsetdruckverfahren findet seinen Ursprung in der Lithografie (Steindruckverfahren). Der Steindruck ist ein direktes Flachdruckverfahren, bei dem der Farbauftrag der Druckfarbe von der Druckform auf den Bedruckstoff direkt stattfindet.
Der Tscheche Alois Senefelder lebte im 18. Jahrhundert und suchte eine kostengünstige Methode, um seine Notenblätter zu vervielfältigen. Er verwendete eine glatte Hochdruckform aus Kalkstein und trug Fetttusche bzw. Fettkreide auf die Stellen, die später gedruckt werden sollten. Anschließend verätzte er die glatte Steinoberfläche an allen übrigen Bereichen mit einer sauren Lösung aus Mehrfachzucker (Gummiarabikum). Nach dem Anfeuchten der Steinplatte mit Wasser haftete die Farbe dann nur an den nicht verätzten (fettannehmenden) Bereichen.
Da bei diesem Druckverfahren sowohl druckende als auch nicht druckende Bereiche in einer Ebene auf der Druckform liegen, nennt man es Flachdruckverfahren.

Foto von Offsetdruck-Walzen im Druckwerk | Druckplattenzylinder | Gummituchzylinder | Gegendruckzylinder
Druckplatten-, Gummituch-, Gegendruck-Zylinder
Im Laufe der Zeit wurden Steinplatten durch Metallplatten ersetzt und das direkte Druckverfahren zum indirekten Druckverfahren weiterentwickelt. Dabei wird die Druckfarbe von der Druckplatte zuerst auf einen Gummituch-Zylinder und anschließend auf den Bedruckstoff übertragen (vergleiche mit dem Bild links). Das erklärt, woher der Begriff „Offset“ kommt. Im Englischen „to set off“ bedeutet so viel wie „absetzen“ oder „übertragen“. Das indirekte Drucken über einen Gummituchzylinder erleichtert einerseits das Bedrucken von festen Materialien (wie Zink- oder Blechplatten) und andererseits hat die Druckform eine längere Lebensdauer, da sich die öl- bzw. fettannehmenden Bereiche nicht so schnell abnutzen.

Erste Prototypen einer Offsetdruckmaschine konstruierten unabhängig voneinander der Amerikaner Ira Washington Rubel und der deutsche Immigrant Caspar Hermann im Jahr 1904.


2. Wie funktioniert Offsetdruck und was ist zu beachten?

Worauf muss man beim Anlegen der Druckdaten für den Offsetdruck achten?

Auf diese und weitere Kriterien werden die Druckdaten in der Druckerei kontrolliert, bevor die Daten für den Druckbogen ausgeschossen werden. Nach Wunsch oder abhängig von der Auflage wird dem Kunden ein Farb- oder Formproof des Produktes erstellt. Damit bekommt er einen realistischen Eindruck vom Endprodukt. An dieser Stelle hat er noch die Möglichkeit, Änderungen vornehmen zu lassen, bevor die Druckform hergestellt wird.

Die Druckform bzw. Druckplatte

Im Gegensatz zum Hochdruck und Tiefdruck ist die Herstellung der Druckplatte für den Offsetdruck einfach, schnell und preiswert. Es wird für jede Druckfarbe eine separate Druckform benötigt. Übliche Materialien für Offsetdruckplatten sind 0,1 bis 0,5 mm dünne Aluminiumplatten oder Kunststofffolien. Für noch bessere Qualität, Haltbarkeit und Kopierfähigkeit werden heute jedoch auch Bi- oder Trimetallplatten aus Kupfer, Stahl und Chrom verwendet.

Die Druckplatte wird mechanisch, elektromechanisch oder chemisch aufgeraut und anschließend mit einer lipophilen Fotopolymerschicht, die wasserabstoßend und ölannehmend ist, überzogen. Früher war diese Schicht lichtempfindlich und wurde durch Auflegen eines Positiv- oder Negativfilms belichtet. Heute werden die Platten fast ausschließlich direkt und digital belichtet (zum Beispiel mit Laser).
Nach der Belichtung und Entwicklung ändert sich die Oberflächenstruktur der Druckplatte und es bleiben nur die Bereiche der Fotopolymerschicht erhalten, welche später auch gedruckt werden sollen. Alle übrigen Bereiche der Platte sind nun hydrophil, also wasserannehmend und ölabstoßend. Anders als beim Hoch- oder Tiefdruck befinden sich die lipophilen und hydrophilen Bereiche auf der Offsetdruckplatte flach in einer Ebene. Das ist die Erklärung dafür, woher die Bezeichnung Flachdruck kommt.

Aufbau und Druckprozess einer Offsetdruckmaschine

Bogenoffsetdruck-Maschine mit Bogenanleger und vier Druckwerken
Bogenoffsetdruck-Maschine mit 4 Druckwerken

In allen modernen Druckverfahren wird in der Regel der Vierfarbdruck angewendet. Dabei entsteht das Druckbild durch die subtraktive Farbmischung aus den Prozessfarben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz (CMYK). Für jede Farbe wird in der Druckmaschine ein Druckwerk (bzw. Druckturm) mit Druckformzylinder benötigt, in den die zugehörige Druckplatte eingespannt wird. Offsetdruckmaschinen mit mehr als vier Farbwerken können zusätzliche Sonderfarben drucken.

Aufbau der Druckwerke

Prinzip Druckverfahren Offsetdruck - Aufbau Druckwerk mit Walzen Seitenansicht

  1. 1 Druckformzylinder mit Druckplatte
  2. 2 Feuchtwerk mit Feuchtwanne & -walzen
  3. 3 Farbwerk mit Farbwanne & -walzen

Prinzip Druckverfahren Offsetdruck - Aufbau Druckwerke mit Zylindern Vorderansicht

  1. 4 Gummituchzylinder
  2. 5 Bedruckstoff (zum Beispiel Papier)
  3. 6 Gegendruckzylinder

Wie am Aufbau eines Druckwerkes zu erkennen, arbeiten Offsetdruckmaschinen mit vielen Druckzylindern bzw. Druckwalzen. Das erklärt, warum der Offsetdruck in der Druckbranche auch als Rotationsdruckverfahren bezeichnet. Aber auch für den Hoch- und Tiefdruck ist der Rotationsdruck anwendbar. Das Papier wird der Maschine entweder in Form von zugeschnittenen Papierbögen oder als Papierbahn von der Rolle zugeführt. » mehr dazu

Erklärung zum Offsetdruck-Prozess
Der Druckformzylinder (bzw. Plattenzylinder) dreht sich und dabei wird die Druckplatte im Feuchtwerk mit Feuchtmittel benetzt, welches nur an den hydrophilen Bereichen der Platte haften bleibt. Dann wird die Druckfarbe im Farbwerk, auf den lipophilen Bereichen der Platte, mit vielen Farbwalzen aufgetragen. Unter Druck bleibt das Druckbild seitenverkehrt auf den Gummizylinder haften.
Das Papier läuft im Druckwerk zwischen Gummi- und Gegendruck-Zylinder und wird durch deren gegenläufige Rotation weitertransportiert und beschleunigt. Das Druckbild überträgt sich dabei unter Druck von der Gummiwalze auf das Papier und ist nun wieder seitenrichtig. Dieses durchläuft nacheinander alle Druckwerke; dabei werden die Farben neben- und übereinander aufgetragen. » mehr dazu

Qualitätssicherung im Offsetdruck

Beim Einrichten der Offsetdruckmaschine werden bzgl. des Papierformats und der Papierdicke verschiedene Einstellungen vorgenommen, alle Auftragsdaten geladen, die benötigten Druckwerke (bzw. -türme) ausgewählt und die Druckplatten eingespannt. Die Vorgänge zum Einrichten der Druckmaschine werden alle motorisch unterstützt. Es besteht jedoch die Möglichkeit, bei eventuellen Fehlfunktionen, manuell nachzuhelfen.

Bei der Druckbogen-Kontrolle wird folgendes überprüft:

  • Passer- und Registerkontrolle
  • Artefakte (Kratzer, Plattenfehler)
  • Rechtschreibfehler
  • Fehler beim Ausschießen
  • Mängel im Papier (Laufrichtung, Falten, Knicke)
  • Messung der Farben und Farbschichtdicke mittels Messtechnik
  • Sonderfarben und Lacke

Die Kontrolle des Druckbogens erfolgt in der Regel manuell am Druckleitstand der Offsetdruckmaschine. Bis auf wenige Vorgänge können moderne Druckmaschinen die Bogenkontrolle jedoch auch autonom durchführen.

Offsetdruck Qualitätssicherung | Druckbogen-Kontrolle
Druckbogenkontrolle mit Fadenzähler
Drucker reinigt die Bogenoffsetdruck-Maschine
Reinigung der Offsetmaschine

3. Der Unterschied zwischen Bogen- und Rollenoffset

Im Wesentlichen ist der Druckprozess dieser beiden Varianten identisch. Der Unterschied liegt lediglich in der zugeführten Papierform.

Beim Bogenoffsetdruck werden der Maschine einzelne, gleichgroße Papierbögen in Stapelform über einen Bogenanleger/Anlagetisch zugeführt.
Die Druckbögen werden beim Bogenoffset in der Regel während eines Druckvorgangs nur einseitig bedruckt, es sei denn die Maschine weist eine Wendevorrichtung auf. Es besteht die Möglichkeit, mit einem Rollen-Bogen-Anleger das Papier vor dem Druckvorgang von der Rolle auf Bogenformat zu schneiden und dann direkt der Maschine zuzuführen. Um Schwierigkeiten bei der Weiterverarbeitung einiger Printprodukte vorzubeugen, muss die Laufrichtung der Papierbögen berücksichtigt werden. Maschineninterne Weiterverarbeitung ist beim Bogenoffset in Form von Perforation und Rillen möglich. In modernen Druckereien stehen jedoch in der Regel mehrere seperate Maschinen für die individuelle Weiterverarbeitung zur Verfügung. Nach dem Druckprozess werden die Papierbogen als Stapel auf einem Bogenausleger abgelegt. Dieser Stapel wird in der Druckbranche auch als Auslagestapel bezeichnet.

Typische Merkmale von Bogen- und Rollenoffset

Kriterien Bogenoffsetdruck Rollenoffsetdruck
Druckgeschwindigkeit niedriger | bis 18.000 Bögen/h höher | bis 50 (Papierbahn-)km/h
geeignete Auflagen kleine bis mittlere Auflagen
bis 100.000 Bögen
sehr hohe Auflagen
bis mehrere Millionen
Bedruckstoffe Natur- und Bilderdruckpapiere
Karton und Wellpappe
ca. 60 bis max. 700 g/m²
teurer pro m²
LWC-Papiere, gestrichen/ungestrichen
bis max. 110/135 g/m²
billiger pro m²
Produkte Visitenkarten, Flyer, Faltblätter, Plakate, Verpackungen, Aufkleber, Etiketten, Briefumschläge, Postkarten, Broschüren in kleinerer Auflage … Tageszeitungen, Telefonbücher, Kataloge, Zeitschriften, Prospekte, Magazine, Broschüren in hoher Auflage …
Schön- & Widerdruck i.d.R. in zwei Druckvorgängen in einem Druckvorgang
Papierwechsel Nur mit Rollen-Bogen-Anleger oder Nonstop-Einrichtung im laufenden Betrieb möglich „Fliegender Rollenwechsel“ im laufenden Betrieb
Trocknung nicht zusätzlich notwendig Heatset oder Coldset

Drucksaal mit Bogenoffset-Druckmaschinen in der Druckerei von unitedprint.com SE in Radeubeul

Der Rollenoffsetdruck ist das am häufigsten angewendete Rotationsdruckverfahren. Beim Rollenoffset werden Papierbahnen von ca. 6 Tonnen schweren Papierrollen zugeführt, beidseitig bedruckt, getrocknet und können am Ende des Prozesses in angegliederten Falzaggregaten weiterverarbeitet werden.

Papierformate und Klassifizierung im Offsetdruck

Klassifizierung von Offsetdruckmaschinen

Klasse Format in cm DIN-Format
2 39 x 28 A4-Überformat
3 36 x 52 A3-Überformat
4 46/48 x 64/65 A2-Überformat
I 52 x 72 B2-Überformat
III 64 x 91,5 A1-Überformat
IIIb 72 x 102 B1-Überformat
IIIb 75 x 105 B1-Überformat
V 89 x 126 A0-Überformat
VI 100 x 140 B0
VII 110 x 160 B0-Überformat
VIIb 120 x 162 B0-Überformat
VIII 132 x 185
X 151 x 205

Formate von Zeitungsdruckmaschinen (in cm)

Format Satzspiegel DIN-Format
Berliner 27,8 x 43,0 31,5 x 47,0
Rheinisches 32,5 x 48,7 36,0 x 53,0
Nordisches 37,1 x 52,8 40,0 x 57,0



Das Bahnabschnittformat im Rollendruck ergibt sich aus der Breite der Rolle und der Abschnittlänge, die vom Zylinder-Umfang abhängt.


Trocknung im Rollenoffset – Heatset und Coldset

Aufgrund der hohen Geschwindigkeit der Papierbahn im Rollenoffsetdruck, muss der Trocknungsprozess des Papieres und der Druckfarbe zusätzlich unterstützt werden. Die Rollenoffset-Druckmaschinen unterscheidet man hinsichtlich der Trocknung in zwei Typen.

Das Coldset-Verfahren findet häufig im Zeitungsdruck Anwendung und wird daher auch Zeitungs-Rollenoffset genannt. Bei ungestrichenen Naturpapieren erfolgt die Trocknung lediglich physikalisch (ohne Temperaturerhöhung) durch sogenanntes „Wegschlagen“. Dadurch bekommt die Zeitung ihre charakteristische Eigenschaft, bei mehrmaligem Kontakt abzufärben.

Hochwertige und gestrichene Papiere werden mit dem Heatset-Verfahren getrocknet. Heatset-Druckmaschinen werden in Druckereien für die Produktion von Werbeprospekten, Katalogen oder Zeitschriften eingesetzt. Dann ist auch die Rede vom Illustrations-Rollenoffset.
Nach dem Druckprozess wird die Papierbahn horizontal im Trockner durch hohe Temperaturen (ca. 250°) getrocknet. Im Kühlwalzenaggregat wird anschließend das Papier wieder abgekühlt. Zum Schluss durchläuft die Papierbahn danach noch eine Silikon-Anlage, in der dem Papier die verlorene Feuchtigkeit mit einem Silikon-Wassergemisch zurückgegeben wird. Dabei härten die Druckfarben aus, der typische Farbglanz entsteht, die Kratzfestigkeit wird erhöht und das Papier erhält optimale Eigenschaften für die Weiterverarbeitung.


4. Merkmale und Besonderheiten des Offsetdrucks

Das Druckprinzip mittels Zylinder bietet den Vorteil, sehr große Druckformate auch in hoher Geschwindigkeit zu bedrucken. Durch den indirekten Druck mittels Gummituch und die Führung des Bedruckstoffes zwischen zwei Zylindern ist es prinzipiell möglich, alle flachen Materialien zu bedrucken. Der Vorteil dabei ist, dass sich das Gummituch auch an unebene bzw. strukturierte Oberflächen anschmiegt. Der Bedruckstoff sollte jedoch staubarm sein, um Verunreinigungen des Gummituchs vorzubeugen.
Der Farbauftrag mittels Gummizylinder bewerkstelligt außerdem bei hohen Druckauflagen eine gleichmäßige und gleichbleibende Qualität.
Druckprodukte aus dem Offsetdruck erkennt man an der gleichmäßigen Deckung aller Bild- und Schriftelemente. Da die Druckplatte keine Erhöhungen aufweist, treten weder unerwünschte Prägungen und Schattierungen auf dem Druckbogen noch Quetschränder oder ausgefranste Ränder im Druckbild auf. Ein detailreiches Druckbild und scharfe Ränder sind typische Eigenschaften vom Offsetdruck. Das ist vor allem bei der Verwendung von sehr kleinen Schriften vorteilhaft.

Druckfarben im Offsetdruck

Wie bereits erklärt, entsteht das Druckbild durch die subtraktive Farbmischung der Prozessfarben.

CMYK - Druckwerke und Farbwerke einer Offsetdruckmaschine von oben

Als Rasterung wird die Zerlegung des Bildes in Bildpunkte bezeichnet. Die vier Farben (CMYK) werden im Offsetdruck gerastert und die Bildpunkte neben- und übereinander gedruckt. Durch die feine Rasterung sind für das menschliche Auge die einzelnen Bildpunkte nur aus nächster Nähe oder mit Vergrößerungsglas erkennbar. Dadurch entsteht der Eindruck eines Halbtons bzw. einer Mischfarbe. Diese Methode nennt man Rastermodulation. Die Zusammensetzung aus verschiedenfarbigen Bildpunkten ermöglicht die Simulation unterschiedlicher Mischverhältnisse, wodurch ein großes Farbspektrum (Farbraum) abgedeckt wird. Zusätzlich ist dieser Farbraum mittels Sonderfarben erweiterbar. Die Voraussetzung dafür ist eine Offsetdruckmaschine mit mehr als vier Druckwerken (siehe Veredelung und Weiterverarbeitung). Die Rastermodulation wird, bezüglich der Anordnung der Bildpunkte, in amplitudenmodulierte (AM) und frequenzmodulierte (FM) Rasterung unterschieden.

Bei der AM-Rasterung sind die Bildpunkte wie auf einem Gitter, von der Punktmitte aus, in gleichen Abständen zueinander angeordnet. Dabei besitzt jede der vier Grundfarben eine andere Rasterwinkelung.

Offset Raster-Winkel CMYK - AM-Raster
Rasterwinkelung AM-Raster

C = 15° | M = 75° | Y = 0°/90° | K = 45°

Offset Rasterwinkelung Interferenz – Moiré-Effekt
Moiré-Effekt

Da 0° die auffälligste bzw. kritischste Rasterwinkelung ist, ist diese in der Regel der unscheinbarsten und hellsten Druckfarbe (Gelb) zugeordnet.
Die unauffälligste bzw. unkritischste Rasterwinkelung 45° demzufolge der auffälligsten und dunkelsten Farbe (Schwarz).
Nach der Auffälligkeit zu urteilen, sind die Rasterwinkelungen 15° und 75° (sowie Cyan und Magenta) sich sehr ähnlich und damit auch untereinander austauschbar. Auf Grund von Erfahrungswerten hat sich die Zuordnung Cyan 15° und Magenta 75° durchgesetzt und wird im standardisierten Offsetdruck nach DIN 16547 konstant angewendet.

Die Intensität der Farben bei der AM-Rasterung wird mittels der Größe der Bildpunkte beeinflusst. Je größer die Bildpunkte, desto intensiver die Farbfläche. Nachteil der AM-Rasterung ist, dass bei genauerem Hinsehen das Muster der Rasterung erkennbar ist.

Wenn zudem die Winkelungen nicht im korrekten Abstand zueinander sind, kann es zu ungewollten Interferenzmustern, sogenannten Moiré-Effekten, kommen.

Bei der FM-Rasterung sind die einzelnen Bildpunkte willkürlich und nicht in Gitterform auf der Fläche angeordnet. Das ermöglicht ein feines bzw. detailreiches Druckbild und Moiré-Effekte sind ausgeschlossen. Die Intensität der Druckfarben bei der FM-Rasterung wird durch den Abstand der Bildpunkte gesteuert. Im Offsetdruck sind außerdem Mischformen dieser Rasterverfahren möglich (Hybrid-Raster).

Offset Raster-Winkelung | Vergleich AM- und FM-Raster
Vergleich AM- und FM-Raster


Veredelung und Weiterverarbeitung

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die fertigen Drucke weiterzuverarbeiten und zu veredeln. Einige Beispiele dafür sind: Schneiden, Stanzen, Prägen, Wickeln, Falzen, Heften, Lackieren, Cellophanieren oder Kleben.
Die Besonderheit im Offsetdruck ist die Verwendung von Sonderfarben, welche auch als Schmuckfarben bezeichnet werden. Diese Druckfarben können fertig gemischt bestellt werden. In einer Offset-Druckerei liegen dafür Farbfächer aus verschiedenen Farbsystemen wie: Pantone, HKS oder RAL vor. Diese Druckfarben müssen also nicht mittels Rasterung und „mischen“ der Prozessfarben imitiert werden. Sonderfarben werden vorzugsweise für Corporate Designs verwendet, bei denen es für viele verschiedene Produkte auf einen exakten Farbton ankommt. Voraussetzung für den Einsatz von Sonderfarben ist ein weiteres Druckwerk für jede weitere Farbe.

Farbfächer von Farbsystemeen und Fadenzähler – Urheber: Stepan Bormotov

Um Farben aus Farbsystemen in andere Farbräume umzurechnen, können Mobil-App-Farbrechner oder Online-Tools genutzt werden.

Neben den Schmuckfarben können auch besondere Lacke das Druckbild veredeln und dem Produkt einen individuellen Charme verleihen. Sehr beliebt ist unter anderem der Spotlack, der nicht vollflächig, sondern partiell auf bestimmte Bereiche des Druckes aufgebracht wird.

Den Druck-Lacken untergeordnet werden zum Beispiel:

  • Relief-Lack
  • UV-Lack
  • Dispersions-Lack
  • Drip-Off-Lack
  • Duft-Lack
  • Glitter-Lack

Wie man die Druckdaten für die partielle Spotlackierung anlegt, erfahrt ihr hier.

Integrierte Weiterverarbeitung im Rollenoffsetdruck

Im Anschluss an die Trocknung befindet sich bei Rollenoffset-Druckmaschinen ein Falzapparat-Überbau. Dort wird die Papierbahn zuerst der Länge nach geschnitten und die Bahnen mittels Wendestangen übereinander gelegt. Erst dann werden die Papierbahnen in einzelne Bögen geschnitten und gefalzt. Man unterscheidet dabei unterschiedliche Falzprinzipien und -arten:

  • Falzprinzipien: Messerfalz bzw. Schwertfalz und Taschenfalz
  • Falzarten: Einbruch-, Parallel-, Kreuz- und Kombinationsfalz

Zusätzlich besteht die Möglichkeit die Drucke zu kleben, leimen, beschneiden, heften und nummerieren. Für eine Rückstichheftung (wie bei einer Zeitschrift) werden die Falzbögen beispielsweise ineinander gesteckt. Dieses Prinzip nennt man „Sammeln“. Im Buchdruck für ein Buch mit Klebebindung werden die Falzbögen und auch Einzelblätter in mehreren Lagen „zusammengetragen“ und anschließend geleimt.


5. Sonderformen im Offsetdruck


Wasserloser Offsetdruck

Der Unterschied vom wasserlosen Offsetdruck zum herkömmlichen Offsetdruckverfahren liegt in der Zusammensetzung der Druckfarben und der Oberflächenbehandlung der Druckplatten. Statt Feuchtmittel wird beim wasserlosen Offsetdruck eine hauchdünne hydrophile Silikonschicht auf die nicht druckenden Bereiche aufgetragen. Außerdem ist nur eine geringe Anfahrmakulatur notwendig. Das bedeutet, im Gegensatz zum herkömmlichen Offsetdruck, wird nur ein Bruchteil der Bögen zum Einrichten benötigt.

Vorteile und Nachteile vom wasserlosen Offsetdruck

Vorteile Nachteile
Keine Aufbereitung, Kontrolle und Entsorgung des Feuchtmittels notwendig Steuerung der Farbmenge erfordert sehr aufwendige (anfällige) Technik
Kein aufquellendes Papier Temperaturempfindlicher Druckvorgang erfordert Kühlung
Weniger Passerungenauigkeiten Kostenintensive Druckplatten
Eignung für besonders feine Raster Kratzempfindliche Druckplatten
Maschinen sind insgesamt kleiner und leiser Druckplatten lassen sich nur schwer korrigieren
Farben sind kontrastreicher und leuchtender Kostenintensive Druckfarben
Geringe Anfahrmakulatur notwendig

Im Prinzip ist dieses Verfahren der umweltfreundliche Offsetdruck, da einige chemische Komponenten entfallen, weniger Farbe verbraucht wird und sowohl die Staubbelastung als auch die Emission geringer ausfallen als beim herkömmlichen Offsetdruck. Vor allem beim Druck von Gold- und Silberfarben und auf gummierten Oberflächen findet dieses Druckverfahren häufig Anwendung.

UV-Offset & Hybrid-Offset

Der UV-Offsetdruck ist auch eine Sonderform des Offsetdrucks. Er ist vor allem geeignet für witterungsbeständige Aufkleber, Etiketten und Plakate im Außenbereich. Das Drucken auf Polyester, PVC, PET, PC, Vinyl, Metallicfolie und anderen Materialien mit glatten/geschlossenen Oberflächen ist im UV-Offsetdruck möglich.

Es werden dafür eine besondere Ausstattung der Druckmaschine, speziell UV-härtende Druckfarben und Reinigungsmittel benötigt. Die Farben härten sofort aus und verbinden sich mit dem Bedruckstoff. Die Oberfläche kann dann zusätzlich mit einer Lackierung versiegelt werden, um einen noch höheren Glanzgrad zu erreichen und sie scheuer- und kratzfest zu machen.

Postkarte mit UV-Lack versiegelt und veredelt
Postkarte mit UV-Lack veredelt und versiegelt

Hybrid-Offsetmaschinen können sowohl konventionelle, als auch UV-härtende Farben drucken. Dabei werden die UV-Farben zum Beispiel als Druckveredelung im 5. oder 6. Druckwerk eingesetzt. Der Unterschied zum reinen UV-Druck ist, dass außer einem UV-Strahler und speziellen Druckfarben keine besondere Ausstattung benötigt wird.

Nachteile vom UV-Offsetdruck:

  • Aufwendige Maschinenkonstruktion
  • Hoher Energieverbrauch
  • Kostenintensive Farben
  • Gesundheitsbelastung durch UV-Strahlung und Ozon

Die zukünftigen Entwicklungen in der Druckereibranche geht daher in Richtung HR-UV und LED-UV. Eine größere Verbreitung dieser nachrüstbaren Technologie wird die hohen Anschaffungs- und Farbkosten verringern.


3 Antworten zu “Offsetdruck – Der umfassende Gesamtüberblick”

Kommentar hinzufügen