Zusammenwirken von Papier und Rasterpunkt beim Vierfarbdruck

14.06.17
Das richtige Papier spielt eine Rolle

Designer gehen bei der Wahl des Papieres für ein Printprodukt oft nach Haptik und Aussehen. Die Farbwirkung der Bilder ist jedoch von Papier zu Papier unterschiedlich – abhängig vom Zusammenwirken von Rasterpunkt und Papier. Neben der Papieroberfläche geht es um den sogenannten „Druckpunktzuwachs“. Das heißt: Wie stark verändert sich der Rasterpunkt auf welchem Papier? Softwarepakete wie Adobe Photoshop oder auch Acrobat bieten Tools, um das auszugleichen.

Zusammenwirken von Papier und Rasterpunkt beim Vierfarbdruck

Rasterpunkte können sich im Druckprozess vergrößern

Für die Bildwirkung ist entscheidend, ob der Rasterpunkt an der Oberfläche des Papieres bleibt oder ob er in das Papier eindringt und so von diesem aufgesaugt wird. Gestrichene Bilderdruckpapiere verfügen, bezogen auf die Druckfarbe, durch die Oberflächenbehandlung – den „Strich“ des Papiers – über eine Art Versiegelung. Fotos wirken so besonders brillant. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass der Rasterpunkt seine Größe behält, weil das hochwertige Papier ihn nicht aufsaugt und dadurch nicht vergrößert – die Saugwirkung von Naturpapieren ohne Kreidestrich an der Oberfläche vergrößert den Punkt. Wenn sich die Rasterpunkte in ihrer Größe verändern, hat das Einfluss auf die Bilddarstellung und auf ihren Tonwertumfang.

Man spricht hier vom Druckpunktzuwachs. Je nach Belichtung kann es bei Fehlern auch dazu kommen, dass der Punkt kleiner wird. Dies bedeutet, dass der Punkt „zu spitz“ ist. Dieses Problem hat sich in vergangenen Zeiten aber eher bedingt durch den analogen Workflow ergeben. Bei ihm wurden Filme auf die Druckplatten kopiert, während die Direktbelichtung heutzutage viele Fehler vermeidet. Sie ist exakter geworden.

Digitaler Workflow für mehr Qualität

In einem qualitativ optimalen Digitalworkflow, wie er bei print24 normiert ist, gibt es theoretisch keinen relevanten Verlust beim Druckpunkt. Das bezieht sich auf ein technisch hochklassiges Foto mit optimalem Farbraum auf Bilderdruckpapier. Dessen Daten werden per Computer-to-Plate direkt auf die vier Druckplatten für die vier Druckfarben belichtet. Die Elemente, die im Druckworkflow die Qualität des Rasterpunktes beeinflussen können, sind in ihrer Gesamtheit der Laserbelichter, die Druckplatte, die Chemikalien, die Druckmaschine, das Gummituch, die Konsistenz der Farbe und die Art des Papiers. All dies muss aufeinander abgestimmt werden. print24 hat innerhalb seines Workflows eine Qualitätssicherung, die dies berücksichtigt.

Volltondruck und Rasterdruck

Im Offsetdruck unterscheidet man im Vollton gedruckte Elemente von aufgerasterten – das heißt von solchen, die aus mehreren gerasterten Farben zusammengesetzt sind. Gestaltungselemente, die in einer Volltonfarbe gedruckt sind, entweder im Vierfarbdruck aus einer der vier Skalenfarben (Cyan, Magenta, Gelb oder Schwarz) oder aus zusätzlichen Sonderfarben, sind als flächige „Strichelemente“ aus 100% einer Farbe nicht aufgerastert. Alle anderen zu druckenden Elemente sind im CMYK-Farbraum aus zwei bis vier gerasterten Farben zusammengesetzt. Diese vier Farben werden in Farbseparationen bzw. Farbauszügen unterschiedlich zueinander gewinkelt. Ein Beispiel dafür wäre Gelb=0°, Cyan=75°, Magenta=45°, Schwarz=15°.

Der Rasterpunkt als kleinste sichtbare Einheit im Offsetdruck

Die kleinste sichtbare Einheit, aus der sich der Druck zusammensetzt, ist der Rasterpunkt. Beim Vierfarbdruck gibt es verschiedene Typen von Rastern. Bei der Unterscheidung der Raster ist deren Modulation das entscheidende Kriterium. Es gibt zum einen die althergebrachte autotypische Rasterung, die auch als amplitudenmoduliert (AM-Raster) bezeichnet wird, sowie das stochastische Raster, das auch als frequenzmoduliert (FM-Raster) bekannt ist. Bei der amplitudenmodulierten Rasterung erzeugt den Tonwert die Größe der Rasterpunkte, bei frequenzmoduliertem Raster wird die Anzahl der Rasterpunkte pro Rasterzelle variiert. Dabei ist entscheidend, dass die heutige Rastertechnologie den Rasterpunkt weniger gleichmäßig anordnet und viel feiner zu Papier bringt. Der visuelle Nachteil der alten AM-Raster ist die sogenannten Moiré-Bildung, die hier zu sehen ist:


Moiré-Effekt

Oben: Der Moiré-Effekt, bei dem sich ein unschönes, regelmäßiges Interferenzmuster durch die Winklung der Farbrasterpunkte im Zusammendruck ergeben kann, ist typisch für die autotypischen Raster (AM-Raster). Bei den frequenzmodulierten Rastern treten sie nicht auf.

Druckpunktzuwachs und Papiereigenschaften

Seit der Computerisierung in den 1980er Jahren und damit einhergehend der Einführung digitaler Workflows in der Druckvorstufe gibt es Laserbelichter oder Kathodenstrahlbelichter, die erst Filmmaterial und dann direkt – ohne den Umweg über den Film – Druckplatten mit den Rasterpunkten belichteten. (Übrigens wird jeder einzelne Rasterpunkt wiederum aus einer Pixelmatrix belichtet. Die kleinste Einheit ist so gesehen ähnlich wie im Web der Pixel. Dabei bilden 16×16 Pixel bei der Belichtung den Rasterpunkt, der dabei unterschiedlich groß ausfällt.) Nach der kompletten Umstellung auf den digitalen Workflow in der Druckvorstufe wie auch in den Druckereien sind die Kenntnisse über Papiere und ihre Eigenschaften wichtiger geworden; denn die Papiereigenschaften sind heutzutage wohl der größte Einflussfaktor auf das Druckergebnis. Papier kann sich in Abhängigkeit von Luftfeuchtigkeit und Temperatur ausdehnen oder zusammenziehen. Wichtig ist aber vor allem, wie es mit der Druckfarbe harmoniert und wie groß der Druckpunktzuwachs ausfällt.


Aufrasterung

Oben: Ausschnitt aus einer gerasterten Illustration und ihrer autotypischen Aufrasterung.

Das frequenzmodulierte Raster (FM-Raster)

Mit der Exaktheit und Verlustfreiheit des Computer-to-Plate hat sich das frequenzmodulierte FM-Raster durchgesetzt; denn die Punkte des FM-Rasters sind wesentlich feiner als die der AM-Raster. Das FM-Raster ist ähnlich beschaffen wie die Rasterstruktur, die man von Tintenstrahldruckern kennt. Die Anordnung der Rasterpunkte der ersten Generation, dem FM-Raster 1. Ordnung, erfolgt nach dem chaotischen Zufallsprinzip. Der Nachteil dieses FM-Rasterprinzipes ist, dass größere Farbflächen unter Umständen nicht homogen wirken, sondern leicht wolkig, weil sich innerhalb der chaotischen Rasterstruktur Schwankungen ergeben können, die wie eine partielle Schleierbildung wirken. Bei Farbfotos macht sich dieser Nachteil in der Praxis nicht bemerkbar.

Weiterentwicklung: Die neue Generation der FM-Raster

Die neue Generation der frequenzmodulierten Raster begrenzt die chaotische Struktur und führt auch bei gerasterten größeren Flächen wieder zu durchgängiger Geschlossenheit des Farbauftrages und seiner Homogenität. Die Struktur des aktuellen FM-Rasters ähnelt der Kornbildung in der Analogfotografie und wirkt der Wolkenbildung entgegen.

Das beste beider Welten: Crossmodulierte Raster

Eine weitere Möglichkeit, Raster einzusetzen, ist die Kombination von FM-Raster und AM-Raster in einem Druckworkflow. Dafür werden die Vorteile beider Rastertypen kombiniert. Diese Hybridraster werden auch „crossmodulierte Raster“ oder XM-Raster genannt und setzen die positiven Eigenschaften intelligent berechnet ein. Die FM-Raster haben gegenüber den AM-Rastern diverse Vorteile: Neben der Moiréfreiheit ist dies eine feinere Auflösung, was sich zum Beispiel bei aufgerasterten Linien bemerkbar macht, die glatter wiedergegeben werden, oder bei kleinen Schriftgraden, die schärfer wirken und weniger zulaufen. Verläufe werden stufenlos wiedergegeben und Bilder wirken durch die Feinheit des Rasters wirklichkeitsnaher. Die AM-Raster geben große Farbflächen homogener wieder.


Die drei Rasterarten

Oben: Die drei Rasterarten AM-Raster (ganz oben), FM-Raster (Mitte) und das crossmodulierte XM-Raster (unten).

Normierte Farbfächer zur Beurteilung der Farbwirkung

Um die Farbwirkung von Flächen besser einschätzen zu können, gibt es sowohl Vierfarbreferenzbücher als auch Farbfächer mit Tonwertabstufungen pro Farbe. Und das für die Standard-Papierarten matt gestrichen, glänzend gestrichen, Naturpapier (ohne Strich) und Zeitungspapier. Die Fächer von HKS heißen:
HKS K (Kunstdruckpapier)
HKS N (Naturpapier)
HKS Z (Zeitungspapier)
HKS E (Endlospapier)
Die Farbpaletten sind auch digital für die Adobe-Software für Mac und Windows erhältlich. Pantone bietet ebenfalls diverse Fächer und Software. Diese Fächer helfen, Farben und ihre Wirkung auf unterschiedlichen Papieren einschätzen zu können.


Profil konvertieren

Farbraum, Papieroberfläche und Druckpunktzuwachs

Um den Druckworkflow auf die Papierart und ihre Oberfläche abzustimmen, bietet Designer-Software die Möglichkeit, Voreinstellungen vorzunehmen. Wer sehr um die höchste Qualität seiner Abbildungen bemüht ist, zum Beispiel bei Kunstwerken oder Modefotografie, macht sich zunächst Gedanken über den Farbraum. Denn die verschiedenen Farbräume, in denen man arbeiten kann, sind unterschiedlich groß und „verschlucken“ beim Konvertieren unter Umständen Farbnuancen. Ist dies sichergestellt, bietet Adobe Photoshop an zwei Stellen die Option an, Farbprofile auszuwählen oder eigene zu nutzen. Diese Profile beziehen sich unter anderem auf die Papierart, die für eine Drucksache verwendet wird, und berücksichtigen dabei den Druckpunktzuwachs. Zeitungspapier zum Beispiel saugt stark und vergrößert dabei den Rasterpunkt. Damit das Foto im Zeitungsdruck also nicht zuläuft, muss der Punkt im Vorhinein spitzer ausfallen. Der spitzere Punkt erhält dann im Druck durch den Druckpunktzuwachs wieder eine normale Größe. Verschiedene Profile in Photoshop regeln das für bestimmte Papieroberflächen.


Farbeinstellungen

Adobe Acrobat und seine Profil-Optionen für die Papierwahl

Das Tool, mit dem man Druckdaten letztlich abspeichert, ist in der Regel Adobe Acrobat. Dies geschieht über das Tool selbst oder über Software wie Adobe Illustrator oder Adobe InDesign, in denen es modular enthalten ist. Beim Abspeichern der Datei im PDF-Format stehen verschiedenste Optionen zur Verfügung. Liefert eine Druckerei dem Kunden zum Beispiel ein eigenes Druck-Profil für deren Druckmaschine, kann dieses der Acrobat-Profil-Bibliothek hinzugefügt werden und bei den Speicheroptionen für die Datei angewählt werden. Acrobat bietet darüber hinaus für die Erstellung seiner PDF-Datei ebenfalls die Option an, eine bestimmte Papierart anzuwählen und so die Ausgabe des Rasterpunktes für das jeweilig angewählte Papier zu optimieren. print24 verwendet Standardprofile der ECI (European Color Initiative): ISO Coated V2 für gestrichenes Papier, PSO Uncoated ISO12647 (Fogra 47L) bei Offset- oder Recyclingpapier. Die Profile kann man unter http://www.eci.org/de/downloads herunterladen.


Profilierung


Oben: Im Acrobat-PDF-Dialog lässt sich unter „Ausgabe“ eine Profilierung der Datei im Hinblick auf eine Papierart bzw. Papieroberfläche vornehmen.

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